"Das grenzt schon an Entmündigung"

27. August 2010, 18:53
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Der Österreicher Stefan Fitz, ab 1. September bei Japan Tobacco für Asien/Pazifik zuständig, wettert im STANDARD-Gespräch über die Regulierungswut der Politik

Der Österreicher Stefan Fitz ist ab 1. September bei Japan Tobacco International für den gesamten Markt Asien/Pazifik zuständig. Im STANDARD-Gespräch wettert er über die Regulierungswut der Politik.

Wien – Unterschiedliche Kulturen, ähnliche Probleme: Wenn Stefan Fitz am 1. September von Wien nach Hongkong wechselt und bei Japan Tobacco International (JTI) die Zuständigkeit für die Region Osteuropa mit der für Asien-Pazifik tauscht, wächst sein Marktgebiet von 200 Millionen auf 1,8 Milliarden Menschen. Reglementierungen sind auch in Asien ein Thema, die Rahmenbedingungen etwa im Vergleich von Thailand zu Singapur wie Tag und Nacht.

Unter Reglementierungen versteht Fitz Rauchverbote und hohe Steuern. In Irland und Großbritannien, schildert der 44-jährige Vorarlberger, der seit 15 Jahren bei Austria Tabak arbeitet, führte der Nikotin-Bann zu einer deutlichen Verlagerung der Bierumsätze von Pubs zu Supermärkten. In Asien wiederum gebe es wegen hoher Steuern in manchen Ländern Schmuggelquoten von bis zu 40 Prozent. Bei allen Unterschieden seines neuen Betreuungsgebiets, freut sich Fitz auf einen Umstand: "Automatisches Wachstum durch Bevölkerungsexplosion", während in den stagnierenden europäischen Märkten die Verteidigung des Umsatzes Vorrang hat.

"Grenzt an Entmündigung"

Dazu kommen die genannten Beschränkungen: "Die Regulierungswut der EU kennt keine Grenzen. Das grenzt schon an Entmündigung", schäumt der passionierte Raucher. Zuletzt machte der Vorschlag aus Brüssel die Runde, Zigarettenpackungen nur noch mit Warnhinweisen zu versehen. Marken, die im Laufe von mehr als 100 Jahren aufgebaut wurden, würden damit vernichtet. Bei JTI sind das vor allem Winston, Camel und Mild Seven. Zudem ärgert Fitz die Tendenz der Politik, "sich mit Raucher-Themen einen Namen zu machen und die Leute aufeinander zu hetzen". Nachsatz: "Viele Parteien könnten froh sein, wenn sie 30 Prozent hätten." So hoch ist der Anteil der Raucher.

Seinen Wechsel empfindet der Manager, der mit dem Börsengang der Austria Tabak, dann der Übernahme durch Gallaher und 2007 durch JTI schon drei Kulturschocks erlebte, als Bestätigung seiner Leistung. Als Beispiel nennt er die Steigerung des Marktanteils am großen polnischen Markt von vier auf zehn Prozent.

In Österreich gab es weniger zu jubeln. Die Standorte Schwaz, Fürstenfeld und Linz wurden geschlossen. Das brachte nicht nur der Unternehmensführung Schelte ein, auch Kritik an der Privatisierung flammte neu auf. Fitz will nicht spekulieren, wie sich die AT ohne Partner entwickelt hätte, nur soviel: Wegen des kleinen Marktes hätte das Unternehmen das Heil im Export suchen müssen, wo man im Zuge der Konzentration auf immer größere Konkurrenten treffe. "Der Rationalisierungsdruck ist letztlich immer derselbe." (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28./29.8.2010)

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    Wegen hoher Steuern in manchen asiatischen Ländern liegt die Schmuggelquote von Zigaretten bei bis zu 40 Prozent.

  • Stefan Fitz ist seit 15 Jahren bei Austria Tabak tätig.
    foto: austria tabak

    Stefan Fitz ist seit 15 Jahren bei Austria Tabak tätig.

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