Georg Hoanzl über Kunst als Geschäft

29. August 2010, 18:06
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Kann man Kunst zum Geschäft machen, ohne sie gleichzeitig zu opfern? "Oft dauert es länger bis zur Blüte", Georg Hoanzl, Geschäftsführer der Hoanzl-Künstleragentur, berichtet

Wie es ist, mit einem alten VW Golf und einem jungen Künstler durch die Lande zu fahren, das weiß Georg Hoanzl: Anfang der 90er tingelte er mit Josef Hader und dessen Kabarettprogrammen jahrelang von einer Bühne zu nächsten. Gespielt wurde immer, egal ob der Saal zum Bersten voll oder gerade mal mit einer Handvoll Leuten "gefüllt" war.

"Es hat für uns keinen Unterschied gemacht. Bemüht haben wir uns immer, und zwar jeden Abend wieder aufs Neue." Sich zu motivieren sei weder für Hader noch ihn ein Problem gewesen, denn jeder hätte seine Vision gehabt. "Mein Ideal war, mit differenzierter Unterhaltung ein Publikum zu erreichen, und ich habe fest daran geglaubt, dass es funktionieren kann."

Das tat es auch: Denn Leute mit Kunst berühren kann man in Oberwart genauso gut wie in Wels oder Wien. "Selbst wenn wir mit dem Programm keinen Erfolg gehabt hätten, einmal an etwas von ganzem Herzen wirklich geglaubt zu haben, dafür alleine hätte sich für mich der ganze Aufwand schon gelohnt" , sagt Hoanzl.

Unternehmend denken

Heute managt Hoanzl eine Agentur und arbeitet mit Künstlern wie Vitasek, Stermann und Grissemann, Hader und vielen anderen zusammen. Allesamt Menschen, denen ihre Eigenständigkeit wichtig ist und die nie bereit wären, auf ihre Souveränität zu verzichten. "Mit so einer Grundhaltung kann die Zusammenarbeit zwischen Künstler und Agentur zu einer sehr fruchtbaren Partnerschaft werden" , sagt Hoanzl. Unternehmerisch zu denken rät er allen jungen Talenten, "das heißt nichts anderes, als sich zu überlegen, was man alles unternehmen kann, um wirtschaftlich abgesichert und künstlerisch tätig zu sein."

Sich nicht zu gut sein

"Es gibt nämlich hunderte junge Künstler, die darauf warten, beauftragt zu werden. Sie werden es aber nicht." Einmal eine Zeitlang Taxi zu fahren, in einem Lokal zu jobben oder einen Kurs an der Volkshochschule zu halten sei keine Tragödie. "Denn während der verbleibenden Zeit kann man ja die kreativsten Sachen auf die Beine stellen. Ob mit Gleichgesinnten schräge Musik zu machen oder einen Pantomime-Workshop zu veranstalten, alles ist gut." Das verklärte Bild vom Schauspieler, der gleich nach dem Max-Reinhardt-Seminar an die Burg engagiert wird und dort als Ehrenmitglied in Pension geht, gibt es noch immer - allerdings nicht in der Realität.

Karriere machen, das kann man im Wirtschaftsleben fast nirgends von einem Tag auf den anderen. Im Kulturbereich dauert es wahrscheinlich noch einmal ein paar Jahre länger: "Die persönliche Entwicklung ist bei einem Schauspieler, Sänger oder Schriftsteller noch wichtiger als bei jedem anderen, weil sie sich ganz unmittelbar auf die Arbeit auswirkt." Aber diese Phase, davon ist Hoanzl überzeugt, hätte ihren Sinn: "Es gibt Pflanzen, die wachsen heran, werden größer und schöner, wenn man sie richtig pflegt. Blühen aber, das tun sie erst nach einigen Jahren. Im Idealfall ist das beim Künstler genauso." (Judith Hecht, DER STANDARD, Printausgabe, 28./29.8.2010)

GEORG HOANZL ist Kooperationspartner von der Standard mit der Edition "Der Österreichische Film / Edition der Standard" .

  • Nicht warten, bis man beauftragt wird: Georg Hoanzl rät Aktivität
    foto: standard/heribert corn, corn@corn.at

    Nicht warten, bis man beauftragt wird: Georg Hoanzl rät Aktivität

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