Bruderkampf um den Vorsitz der Labour Party

26. August 2010, 18:50
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Zwischen David und Ed Miliband wird der Ton rauer - Parteimitglieder geteilt in ihrer Unterstützung

Wer sichert sich den Parteivorsitz der geschlagenen Labour-Partei - und damit die Rolle als Chef Ihrer Majestät loyaler Opposition? Der Vorwahlkampf läuft, und als Favoriten gehen zwei Brüder in die letzte Runde des Rennens. Während David und Ed Miliband, 45 und 40 Jahre alt, bisher betont höflich miteinander umgingen, wird der Ton jetzt rauer zwischen dem Ex-Außenminister und seinem kleinen Bruder, der als Klimaschutz-Minister im letzten Labour-Kabinett saß.

Wie in der Politik üblich, reden die Brüder nur indirekt übereinander. Die Partei müsse "raus aus der gemütlichen Ecke" , sagt David: "Wir dürfen nicht automatisch gegen alles opponieren, was die neue Regierung vorschlägt."

Insbesondere Bruder Ed hat sich in den vergangenen Tagen damit hervorgetan, den kleinen Koalitionspartner aggressiv anzugreifen: "Wir müssen die Liberaldemokraten ausmerzen." Dass Ed Miliband die Äußerung seines älteren Bruders auf sich bezog, machte seine Reaktion deutlich: "Wir sollten uns besondere Mühe geben, die parteiinterne Debatte im gleichen Ton weiterzuführen wie bisher."

Oberflächlich betrachtet hat David ein aggressiveres Vorgehen nicht nötig. Ihn unterstützen weit mehr Parlamentarier als seinen Bruder, die Anhänger kommen aus allen Parteilagern. Diese Woche machte der anerkannte Partei-Linke Jon Cruddas seine Präferenz für Miliband senior deutlich. Ed genießt die Unterstützung des Alt-Vorsitzenden Neil Kinnock und des Londoner Ex-Bürgermeisters Ken Livingstone.

Vor allem aber hat Ed deutlich mehr Empfehlungen der großen Gewerkschaften auf sich ziehen können. Deren Mitglieder stellen ein Drittel des Wahlkollegiums, ebenso wie die rund 180.000 Parteiangehörigen und die 258 Unterhaus-Abgeordneten. Das könnte am Ende noch den Ausschlag für den Jüngeren geben, den seine Anhänger als den Kandidaten des Neuanfangs verkaufen. Klarer als David hat sich Ed distanziert von den 13 Regierungsjahren unter Ex-Premier Gordon Brown und dessen Vorgänger Tony Blair.

"Unheimlicher" Wahlkampf

Die parteiinternen Rivalen machen sich gern lustig über das Paar. "Unheimlich" findet Ex-Bildungsminister Ed Balls die Tatsache, dass die Brüder gegeneinander antreten. Einen wunden Punkt trifft Ex-Gesundheitsminister Andy Burnham: "Meine Eltern waren nicht so gut vernetzt."

Tatsächlich wuchsen die Milibands in einer hochpolitischen Familie auf, wo hochrangige Labour-Politiker aus und ein gingen. Ihr Vater Ralph hätte sie bestimmt für "Verräter der Arbeiterklasse" gehalten, glaubt David. Der Politik-Professor liegt auf dem Londoner Highgate-Friedhof begraben, nahe bei seinem Idol Karl Marx. Wie Marx kamen auch die Miliband-Eltern als Flüchtlinge auf die Insel: Ralph 1940 aus Belgien, wohin seine Eltern vor der Judenverfolgung in Polen geflohen waren, die Mutter Marion direkt aus ihrem Geburtsland Polen. Sie werde sich der Stimme enthalten, hat ihre Mutter angekündigt.

Ob sich die Brüder am Ende des Wahl-Marathons wieder liebhaben? "David ist mein bester Freund", behauptet Ed, daran werde sich auch nichts ändern. Diesmal retourniert der Ältere das Kompliment: "Die Familie ist wichtiger als die Politik." (Sebastian Borger, DER STANDARD, Printausgabe 27.8.2010)

 

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    Ed (li.) oder David? Beide haben Vorsitz-Chancen.

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