Christian Rauscher, Ex-Treasurer der Hypo

23. August 2010, 18:45
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KOPF DES TAGES

Rache muss man kalt genießen, besagt ein altes Sprichwort. Christian Rauscher, Ex-Mitarbeiter der skandalgeschüttelten Hypo Alpe Adria Bank, hatte wohl einige Jahre warten müssen, bevor er mit seinen ehemaligen Vorstandschefs Wolfgang Kulterer und Günter Striedinger abrechnen konnte. Und das tat Rauscher jetzt dafür um so genüsslicher.

Detailliert packte der frühere, in die seinerzeitige Swap-Affäre verwickelte Hypo-Treasury-Bereichsleiter - zunächst unerkannt - kürzlich in der ZiB 2 aus. Doch die Identität des "Schattenmannes", der über das dichte Netzwerk der Hypo-Spitze vom damaligen kroatischen Regierungschef Ivo Sanader über Ex-General Vladimir Zagorec bis zu Jörg Haider und Ex-Finanzminister Karl Heinz Grasser, plauderte, war rasch gelüftet. Auch von geheimen Geldkoffern, die via Learjet über Klagenfurt nach Liechtenstein ausgeflogen und stets von einem Vorstand begleitet worden seien, berichtete Rauscher. Dabei wäre auch ihm ein solcher Koffer fast zum Verhängnis geworden.

Kurz nach dem Platzen der Swap-Affäre, die die Bank rund 328 Mio. Euro kostete, wurde Rauscher mit blutigem Kopf aufgefunden. Er sei von Kroaten niedergeschlagen worden, behauptete er zunächst. In der Nähe des Schlosses Freyenthurn, in dem die "diskreten Geldgeschäfte" mit Hypo-Kunden aus dem Balkan abgewickelt worden sein sollen. Später sagte er aus, er habe sich selbst verletzt. Kulterer und der damalige Hypo-Sicherheitschef tauchten überraschend in Rauschers Wohnung auf und nahmen einen schwarzen Koffer mit sich. Darin sollen sich - Gerüchten zufolge - Diamanten des kroatischen Ex-Generals Vladimir Zagorec befunden haben. Wie auch immer, Rauscher schwieg sich darüber aus - bis jetzt.

Die Swap-Affäre, die 2006 ruchbar wurde und in der Folge den Niedergang der Hypo-Alpe Adria-Bank einläutete, war der absolute Tiefpunkt in Rauschers Leben gewesen: Als es brenzlig wurde, schob Kulterer, der für das Treasury als Vorstand verantwortlich war, dem Spross einer angesehenen roten Oberkärntner Politikerfamilie alle Verantwortung zu. Der verheiratete Vater zweier Kinder fand sich in der Rolle des Sündenbocks wieder, musste die Bank verlassen und war einige Zeit sogar arbeitslos. Heute ist Rauscher, der in Kärnten alle beruflichen Brücken abgebrochen hat und in Liechtenstein tätig ist, voll rehabilitiert. Kulterer dagegen ist in U-Haft und wegen Bilanzfälschung verurteilt. (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.8.2010)

  • Die kalte Rache eines Sündenbocks: Christian Rauscher packt aus.
    foto: standard/christian fischer

    Die kalte Rache eines Sündenbocks: Christian Rauscher packt aus.

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