200 Jahre Dosenkost

23. August 2010, 14:54
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Die Dose wurde als Alternative zum Salzen, Pökeln und Dörren erfunden - Der Dosenöffner ließ noch Jahrzehnte auf sich warten

Paris - Auf Anhieb überrascht es vielleicht, dass die Konservendose ausgerechnet in Frankreich erfunden wurde, dem Land der FeinschmeckerInnen. Genau 200 Jahre ist es her, dass das Patent angemeldet wurde - die Idee dazu hatte der aus der Champagne stammende Koch und Feinbäcker Nicolas Appert.

Geködert mit einer Belohnung von 12.000 Goldfranken suchte der Franzose ein Verfahren zum Haltbarmachen von Lebensmitteln. Die Prämie hatte Kaiser Napoleon I. ausgelobt, der für seine Feldzüge eine bessere Verpflegung brauchte als die in Dörfern geplünderten Erdäpfeln und Brotkanten.

Kochen in Champagnerflaschen

Appertisieren heißt es heute noch, wenn Speisen luftdicht abgefüllt und durch Erhitzen haltbar gemacht werden. Appert kam Ende des 18. Jahrhunderts darauf, bis dahin war nur gesalzen, gepökelt und gedörrt worden, worunter aber stets der Geschmack der Speisen litt. Der Franzose experimentierte monatelang und kochte - zunächst in Champagnerflaschen - alle möglichen Lebensmittel ab. Dann stieg er auf Glasbehälter um und schlug sein Verfahren dem Kaiser vor. Der schickte die Marine drei Monate lang mit Konservengläsern auf den Weg und war zufrieden, dass Fleisch und Gemüse "in voller Frische" erhalten waren.

Essen im Blechkanister

Auf die Idee mit der Metalldose kam kurz darauf ein Franzose namens Peter Durand, der nach der Französischen Revolution 1789 nach England ausgewandert war. Er packte das Essen in Blechkanister, bevor er es abkochte; die hielten mehr aus und gingen auf Feldzügen nicht zu Bruch. Am 25. August 1810 meldete Durand seine Erfindung zum Patent an, die Konservendose war geboren.

Aber nicht nur, dass der Behälter recht umständlich zu öffnen war - nämlich mit Hammer und Meißel, denn der Dosenöffner wurde erst ein paar Jahrzehnte später erfunden. Zunächst brachte das Essen aus der Dose regelrecht den Tod: Dutzende englische Soldaten starben an schleichenden Vergiftungen, weil die Blechbehälter anfangs noch mit dem gefährlichen Blei verlötet waren.

Heute laufen bei Dosenherstellern bis zu tausend Stück pro Stunde vom Band, aus Weißblech oder Aluminium, innen beschichtet mit Kunststoff, und nicht einmal der Dosenöffner ist unbedingt nötig, viele haben am Deckel einen Verschluss. Pizzatomaten, Ravioli in Tomatensoße, Thunfisch in Öl und Gemüsemais, Tierfutter sowie Farben und Lacke halten sich in der Dose jahrelang.

Dose als Kunstobjekt

Die berühmtesten Konservendosen der Welt kommen aus Amerika: Der US-Künstler Andy Warhol malte 1962 sämtliche Suppendosen aus dem Sortiment der Firma Campbell ab - die Serie "Campbell's Soup Cans" hängt im Museum für Moderne Kunst (MoMA) in New York. (APA)

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    Cover des Exquire Magazine vom Mai 1969: Andy Warhol ertrinkt in einer Dose Campbell Tomatensuppe.

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