"Legale Droge" Mephedron wird verboten

19. August 2010, 13:00
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Gesundheitsministerium bereitet Verordnung vor - Shops in Innsbruck und Graz

Wien/Innsbruck/Graz - Die "legale Droge" Mephedron, die in Österreich noch als Pflanzendünger oder Badesalz erhältlich ist, soll in Kürze verboten werden. Das Gesundheitsministerium bereitet eine Verordnung vor, die den Stoff als illegales Suchtmittel deklarieren und damit Verkauf und Besitz verbieten soll. In Großbritannien hat der Konsum von Mephedron laut Ministerium schon Todesopfer gefordert. In Österreich hat sich die missbräuchliche Verwendung als Droge bereits herumgesprochen und in Tirol und der Steiermark für Probleme gesorgt.

Laut Ministeriumssprecherin Sigrid Rosenberger wird der Missbrauch von Stoffen als Drogen auf europäischer Ebene gemeinsam beobachtet und entsprechend gehandelt. Mephedron sei dabei kein unbekannter Kandidat und in einigen Staaten schon verboten. Österreich zieht diesbezüglich nach: Morgen, Freitag, endet die Begutachtungsfrist der Suchtmittelgesetz-Verordnung, nach der Unterzeichnung durch Gesundheitsminister Alois Stöger könnte Mephedron in Österreich damit bereits ab Montag oder Dienstag illegal sein. Der Verkauf wurde laut Rosenberger zumindest teilweise schon im Vorfeld gestoppt: Wegen einer falschen Deklarierung als Düngemittel habe das Landwirtschaftsministerium entsprechende Produkte beschlagnahmt.

Shops in Innsbruck und Graz

In Tirol bereitet die "legale Droge" der Polizei allerdings noch Kopfzerbrechen: Das Mittel werde seit kurzem in einem Geschäft in der Innsbrucker Innenstadt zum Verkauf angeboten. "Wir wissen um diesen Shop, sind aber derzeit machtlos, weil Mephedron nicht unter die im Suchtmittelgesetz verbotenen Substanzen fällt", sagte Walter Pupp vom Tiroler Landeskriminalamt der APA und bestätigte damit einen entsprechenden Bericht in der "Tiroler Tageszeitung". "Wir haben keine Möglichkeit einzuschreiten", betonte Pupp.

Das Geschäft habe am 9. August eröffnet. Seine Einrichtung bestehe lediglich aus einem Schreibtisch und drei Stühlen. Die Auslage zieren einige Pflanzen und Düngemittelflaschen. Laut "Tiroler Tageszeitung" blättere man für ein Gramm besagten "Düngemittels" rund 30 Euro hin.

Kein Schmerzempfinden

Erst vor rund einer Woche drehte laut einem Bericht der Zeitung ein 17-jähriger Mephedron-Konsument aus Vorarlberg in einem Zug nach München durch und randalierte. Die Fahrt musste bei Rosenheim unterbrochen und die Polizei verständigt werden. "Es hat eine Zeit gedauert, bis wir den Jugendlichen beruhigen konnten", schilderte eine Beamtin der Bundespolizei Rosenheim der Zeitung. Der Vorarlberger schien aufgrund der Droge, die er in der Innsbruck Innenstadt gekauft haben dürfte, kein Schmerzempfinden zu haben. Selbst der Einsatz eines Pfeffersprays soll ohne Wirkung geblieben sein.

In der Steiermark wurde vergangene Woche ein Geschäft geschlossen, das Mephedron als Düngemittel verkauft hatte, so die Angaben der Exekutive. Die Bestände des Geschäfts in der Nähe des Grazer Hauptbahnhofs wurden von Mitarbeitern der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) beschlagnahmt. Möglich war dies laut Polizei nach dem Düngemittelgesetz, da die Substanz als solche in Österreich nicht zugelassen ist, aber dennoch unter diesem Titel verkauft worden war. Auf den Ladeninhaber könnte nun eine Anzeige zukommen. Mitglieder der Jungen ÖVP Graz hatten in der Vorwoche beobachtet, wie "in der Zeit zwischen 18.00 und 20.00 Uhr etwa fünf Jugendliche in der Minute" in das Geschäft gingen und Mephedron erwarben. Man habe versucht, mittels Flugblattaktion über die Gefährlichkeit des Stoffes aufzuklären, hieß es. (APA)

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