Geiselnehmer soll früher für Israel spioniert haben

18. August 2010, 11:40
55 Postings

Palästinenser drang bewaffnet in Botschaft ein und forderte Asyl - Wache konnte Täter überwältigen

Tel Aviv - Der Palästinenser, der sich gestern Nacht in der türkischen Botschaft in Tel Aviv verbarrikadierte, hat nach Angaben der israelischen Tageszeitung Haaretz ein bewegtes Vorleben. Nadim Injaz aus Ramallah im Westjordanland soll in der Vergangenheit für den israelischen Inlandsgeheimdienst Shin Bet spioniert und schon einmal, Ende August 2006, mit einer Botschaftsstürmung für Aufsehen gesorgt haben.

Für Shin Bet gearbeitet

Sein Mandant habe "während der 1990er Jahre und Anfang dieses Jahrzehnts palästinensische Angriffe verhindert und dabei viele Leben von israelischen Soldaten und Staatsbürgern gerettet", sagte Anwalt Avital Horev am Mittwoch im israelischen Rundfunk. Vor vier Jahren soll er sich in der Botschaft des Vereinigten Königreichs verschanzt, Asyl gefordert und damit gedroht haben, sich das Leben zu nehmen. Erst vor drei Wochen habe der Mann seine Gefängnisstrafe abgebüßt, zu der er seinem Anwalt zufolge wegen Diebstahls abzusitzen hatte.

TV-Sender rief Täter an

Laut Angaben des türkischen Außenministeriums in Ankara habe Injaz nun versucht, den Vizekonsul als Geisel zu nehmen, was von Botschaftsmitarbeitern verhindert wurde. Der lokale Fernsehsender Channel 2 hat einen Telefonmitschnitt veröffentlicht, auf dem der versuchte Geiselnehmer zu hören ist: "Wenn sie mich jetzt nicht ausreisen lassen, werde ich das gesamte Haus niederbrennen. Ich werde alles niederbrennen und die Türen eintreten. Ich werde alles zerstören". Er brauche Schutz vor "den mörderischen Zionisten, den mörderischen Juden", fuhr Injaz fort. Gleichzeitig solle die palästinensische Führung, allen voran Präsident Mahmoud Abbas, "sterben".

Angebliches Todesurteil

Was bizarr anmutet, ergebe dem Anwalt des verhinderten Geiselnehmers zufolge durchaus Sinn. In den Palästinensergebieten drohe seinem Mandaten Gefahr, sagte Horev. Die palästinensischen Behörden hätten ein Todesurteil gegen ihn ausgesprochen. Als sein Mandant den Geheimdienst, seinen angeblichen früheren Arbeitgeber, um Schutz gebeten habe, habe Shin Bet sich geweigert, seine Verantwortung ihm gegenüber anzuerkennen.

Geiselnahme mit Messer und Spielzeugpistole

Der Palästinenser hatte am Dienstag in der türkischen Botschaft in Tel Aviv versucht, eine Geisel zu nehmen und so politisches Asyl zu erlangen. Der mit einem Messer und einer Spielzeugpistole ausgerüstete Eindringling wurde dabei jedoch von Sicherheitsmitarbeitern überwältigt und durch eine Kugel am Bein verletzt.

Das Außenministerium in Ankara hat Israel nach dem Angriff zu einem besseren Schutz der Vertretung aufgefordert. Ankara sei überrascht, wie leicht der Mann auf das Gelände der Botschaft vordringen konnte, zitierten türkische Medien am Mittwoch einen Mitarbeiter des Ministeriums. (flon,derStandard.at, 18.8.2010/APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Israelische Polizisten versammelten sich vor dem türkischen Botschaftsgebäude in Tel Aviv, Einlass wurde ihnen nicht gewährt.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der Täter wurde indes festgenommen und mit Schusswunden ins Spital gebracht.

Share if you care.