Die Vermehrung der Freunde Wagners

17. August 2010, 17:01
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Ein neuer Förderverein "belebt" Bayreuth

Bayreuth - Ruhig verläuft der Festivalsommer, skandallos auch in Bayreuth. Zwar regte Lohengrin mit dem Auftritt von Menschenmäusen auf. Doch das neue Leitungsduo, Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier, trägt keine Differenzen nach außen. Die Zusammenarbeit sei gut, man habe sich als Team gefunden, heißt es.

Totale harmonische Stille herrscht dann aber doch nicht. Neuer Tarifvertrag, Erneuerungsdruck und das nahende Jubiläumsjahr 2013 (Wagners 200. Geburtstag) lassen Finanz- und Zeitdruck aufkommen. Und siehe da: Plötzlich taucht ein neuer Verein auf, um Geld zu beschaffen. Das "Team aktiver Festspielförderer" (Taff) will "in enger Abstimmung mit der Festspielleitung" Festspielbelange "transparent" unterstützen. Das Projekt Kinderoper gehört dazu, die neue, fünf Millionen teuere Probebühne sowie ein modernes Kartensystem.

Die Eintragung des Vereins erfolgte einen Tag nach der Lohengrin -Premiere, zu den Gründungsmitgliedern zählt Dirigent Christian Thielemann, der auch als Berater des schwesterlichen Duos fungiert. Nun gibt es aber seit Jahrzehnten die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth (GdF), die wohl wenig amüsiert über die neue Konkurrenz ist, obwohl interne GdF-Zwistigkeiten erst den Weg für die Neugründung ebneten. Mit 5250 Mitgliedern ist die GdF einer der vier Gesellschafter der Festspiele (neben Bund, Land und Bezirk) und kaum zu ersetzen. Aber zweifellos hat der neue Verein den Segen der Leitungsduos, das mit den alten Freunden nicht extrem harmoniert.

Katharina (wegen Nasenbluten) und Eva (wegen Kreislaufproblemen) erscheinen jedenfalls kürzlich nicht zur Mitgliedsversammlung. Die brüskierten Mäzene protestierten unfreundlich. Wie immer sich das alles entwickelt, Bayreuth kann nicht genug Freunde haben. Zu viel hat man vor, zu viel Geldbedarf herrscht vor. Jede Zukunftsidee, die Kathrina öffentlich präsentiert, koppelt sie an die Einschränkung, die Finanzierung sei halt noch nicht gesichert. So will sie im Jubiläumsjahr 2013 auch die frühen Wagner-Opern (Die Feen, Liebesverbot und Rienzi) aufführen. Nicht im Festspielhaus, sondern womöglich in einem Zelt in Bayreuth. Und so etwas ist im aufwändigen Operngenre nicht billig. (Ljubiša Tošić, DER STANDARD - Printausgabe, 18. August 2010)

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