Bei Oracle gegen Google gewinnt Microsoft

16. August 2010, 10:26
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Analysten: Java-Rechtsstreit könnte Android-Höhenflug bremsen und Windows Phone 7 helfen

Von Oracles Patentklage gegen Google könnte vor allem ein Unternehmen profitieren: Microsoft. Darüber sind sich Branchenbeobachter weitestgehend einig.

Wie berichtet, wähnt Oracle einen Urheberrechts- und Patentverstoß in Googles Open-Source-Betriebssystem Android durch den Einsatz der Laufzeitumgebung Java. Mit der Übernahme von Sun Microsystems im Jahr 2009 hatte Oracle die Rechte an der Software erworben. Laut der Klage verletze Googles eigene Java-Engine Dalvik - einer der zentralen Bestandteile des Betriebssystems - Oracles Rechte.

Folgenreich

Geht es nach Google, sei die Klage "bestandslos", da Android nicht Java, sondern nur eine Java-kompatible Laufzeitumgebung (Davlik) nutze. Damit bahnt sich ein längerer Rechtsstreit an, der sich zumindest mittelfristig negativ auf die Verbreitung der freien Handy-Plattform auswirken könnte, meint etwa IDC-Analyst Al Hilwa gegenüber ComputerWorld.

Zu befürchten sei, dass Androids Höhenflug - nach Marktanteilen liegt Googles Betriebssystem mit über 17 Prozent bereits an dritter Stelle hinter Symbian und Blackberry - durch von der Klage verschreckte Handy-Hersteller gebremst werden könnte. Davon dürfte vor allem Microsoft profitieren, das Ende des Jahres sein gescheitertes Handy-Geschäft mit Windows Phone 7 (WP7) wiederbeleben möchte. Denn aus Angst vor Klagen könnten sich Hersteller wie HTC oder Samsung künftig für WP7 anstatt für Android entscheiden.

Neues Feindbild

Das Oracles Klage vor allem aber auch als massiver Schlag gegen die Open-Source-Gemeinde gesehen wird, helfe dem Redmonder Softwarekonzern ebenfalls, so die Analysten. Das Jahrelang einstudierte Feindbild würde sich damit verschieben: nicht mehr Microsoft sei der große Widersacher, sondern Oracle. Oracle könnte damit wiederum seine Position bei eigenen Open-Source-Produkten wie OpenOffice oder MySQL schwächen, die in Konkurrenz mit Microsoft-Programmen stehen. So würde Oracles Sturm gegen Google am Ende des Tages auch nach hinten losgehen. (zw)

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    Microsoft, der lachende Dritte?

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