Trouble in Pröllistan

13. August 2010, 19:18
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Pröll lässt Regierung und Bundespräsidenten wissen, was er von ihnen hält und wie er alles besser machen würde

Seit Erwin Pröll nicht Kandidat der ÖVP für das Amt des Bundespräsidenten geworden ist, macht er einen etwas unrunden Eindruck. Etwas cholerisch war er immer schon, aber das wurde abgefedert durch einen scharfen politischen Verstand und das Wissen um die Eigenheiten der heimischen politischen Landschaft. Da hat sich was geändert.

Pröll lässt die Bundesregierung, den amtierenden Bundespräsidenten und vermutlich bald auch den Papst öffentlich wissen, was er von ihnen hält und wie er alles anders (besser) machen würde.

Jetzt kündigt er eine der tiefgreifendsten Änderungen im Staatsgefüge (die Lehrer alle zu den Ländern, der Bund soll aber weiter zahlen) an, dabei behauptend, das sei mit Kanzler und Vizekanzler schon ausgemacht.

Wenn Werner Faymann und Josef Pröll sich darauf einlassen würden, den Ländern auch in der Schulpolitik noch mehr Macht und Gelegenheit zu parteipolitischer Einflussnahme zu geben, gehörten sie umgehend besachwaltet.

Echt bedenklich wird es aber, wenn plötzlich die Staatsanwaltschaft St. Pölten in der Causa Hypo NÖ (es geht um den Verdacht der Bilanzfälschung) nicht mehr weiterermitteln will. Ohne eine unerlaubte Intervention zu unterstellen - aber Erwin Pröll müsste an Aufklärung interessiert sein, wenn er nicht der Jörg Haider von Niederoesterreich werden will.(RAU, DER STANDARD, Printausgabe, 14./15.8.2010)

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    Foto: APA/Techt
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