Placebo mit Nebenwirkungen

11. August 2010, 18:04
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Ben Bernanke beglückt die US-Wirtschaft wieder mit einem Geldregen

Ben Bernanke beglückt die US-Wirtschaft wieder mit einem Geldregen. Der US-Notenbankchef wird in den nächsten zwölf Monaten Wertpapiere im Ausmaß von mehr als 300 Milliarden Dollar kaufen. Das Ziel: die Wirtschaft und besonders den Arbeitsmarkt ankurbeln. Was soll daran schon verkehrt sein? Schließlich wurden mit derselben Politik bereits mehr als 1250 Mrd. an zum Teil „giftigen", sprich wertlosen, Wertpapieren gekauft, und so wurde das Schlittern in eine zweite „Große Depression" verhindert.

Nun ist die Problemlage anders. Als Bernanke das letzte Mal das Füllhorn ausgoss, litten einige Wirtschaftssektoren unter hohen Zinsen. Häuslbauer konnten ihre Kredite nicht refinanzieren, Banken keine Anleihen begeben. Heute sind die Zinsen niedrig wie nie. Realwirtschaftlich kann Helikopter-Ben daher wenig bewegen, einzig die Kapitalmärkte könnten mittelfristig in Euphorie verfallen.

Dabei hat das neue Placebo üble Nebenwirkungen. Die weitere Geldflut ist für jene Banken tödlich, die noch an den Folgen der Krise laborieren. Wenn die kleinen regionalen Einlagebanken jetzt mit der Vergabe von Krediten noch weniger Zinsen verdienen, werden die Probleminstitute weiter wie die Fliegen sterben. 2010 sind bereits 109 Banken pleitegegangen. Mehr Geld hilft daher nicht, mit den kranken Banken fertigzuwerden. Es zögert aber den Heilungsprozess hinaus, weil die Preise für die giftigen Wertpapiere hochgetrieben werden. (Lukas Sustala, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.8.2010)

 

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