Reiches Land, sauberes Geld

11. August 2010, 06:10
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Bakterien: Wer Geld angreift, macht sich die Finger schmutzig - Österreich schickt seine Bank­noten regelmäßig zum "Fitnesstest"

Geldwäsche ist eigentlich im Kriminal anzusiedeln - wirklich gewaschen im herkömmlichen Sinn werden die Scheine, wie man weiß, dabei nicht. Niederländische Wissenschafter haben jetzt aber herausgefunden, dass so mancher Geldschein vielleicht doch besser einmal mit Seife und Wasser abgeschrubbt gehörte, wie es zum Beispiel in Simbabwe gang und gäbe ist.

Laut einer aktuellen Studie der Universität Wageningen in den Niederlanden hängen der Reichtum eines Landes und die Reinheit seines Geldes eng zusammen: Je reicher und wirtschaftlich freier ein Land ist, desto weniger Bakterien besiedeln seine Banknoten. Die Forscher fanden eine auffallende Korrelation zwischen der Anzahl an Bakterien pro Quadratzentimer am Geldschein und dem Ranking des jeweiligen Landes auf dem Index of Economic Freedom. Vermutlich verfügen Länder, die im Ranking weiter unten platziert sind, vermehrt über ältere Banknoten, die durch ihre lange Verwendungsdauer mehr Falten aufweisen. Darin könnten Bakterien leichter und länger haften bleiben, zitiert die Finanznachrichtenagentur Bloomberg einen Sprecher der Universität Wageningen.

Keine Geldwaschanlage

Eine Reinigungs-Anlage für Euro-Scheine, im dem Sinne, dass die Banknoten gewaschen werden, gibt es nicht, erklärt Gerhard Schulz, Leiter des Bereichs Bargeld bei der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), im Gespräch mit derStandard.at. "Wir testen nur, ob die Scheine noch 'fit' sind." Es wird also geprüft, ob die Banknoten Risse oder Löcher haben, verschmutzt oder "speckig" sind. Auf Bakterienbefall werden sie aber nicht untersucht, sagt Schulz.

Statistisch gesehen kommt in Österreich jeder Geldschein vier Mal pro Jahr in die maschinelle Prüfanlage der OeNB-Tochter Geldservice Österreich. Teils schicken Banken ihre Euro-Scheine selbst an die OeNB zum Check. Jene, die durch den Test fallen, gelangen nicht mehr zurück in den Wirtschaftskreislauf und werden vernichtet, führt Schulz weiter aus und spricht deswegen auch von einer "guten Qualität" der Scheine in Österreich.

Baumwolle gegen Plastik

In den meisten Banknoten wird Baumwolle verarbeitet. Auf Scheinen, die auf einer Polymer-Basis herstellt werden, fanden die niederländischen Wissenschafter nur ein Viertel der Bakterien, die auf Baumwoll-Banknoten zu finden waren.

Auch der Euro ist ein Baumwoll-Produkt. Überlegungen, auf Polymer-Scheine umzusteigen, gibt es laut Schulz aber nicht. Diese werden in erster Linie in heißeren Gegenden verwendet, wo damit auch eine längere Lebensdauer garantiert wird. In Österreich ist eine Fünf-Euro-Note zwischen einem halben Jahr und einem Jahr im Umlauf, erzählt Schulz weiter. 500-er, die oft in Geld-Depots verwendet werden und generell weniger im Alltagsgebrauch sind, können hingegen schon einmal sieben bis acht Jahre auf dem Buckel haben.

Insgesamt haben die Wissenschafter 1.280 Banknoten aus zehn Ländern - Australien, Burkina Faso, China, Irland, Mexiko, Niederlande, Neuseeland, Nigeria, Großbritannien und USA - ausgewertet, die im Lebensmittel-Handel - sowohl in Geschäften als auch in Cafés und dergleichen- gesammelt wurden. Ein Ranking nach Bakterienbefall gaben die Forscher nicht heraus. Aber zur Beruhigung: Auf keinem der untersuchten Geldscheine fanden die Wissenschafter alarmierende Konzentrationen krankmachender Mikroorganismen. (Daniela Rom, derStandard.at, 11.8.2010)

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    So manchem Schein würde ein Schonwaschgang nicht schaden, glaubt man der Studie zum Bakterienbefall von Banknoten.

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    In Österreich "wäscht" man die Geldscheine nicht, aber sie müssen regelmäßig zum "Fitnesstest".

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