Fotografin und Revolutionärin

8. August 2010, 21:34
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Die aktuelle Ausstellung des KunstHausWien präsentiert die fotografischen Arbeiten von Tina Modotti, deren Lebensweg sie von Italien nach Kalifornien, Mexiko, Moskau, Spanien und zurück nach Mexiko führte

Tina Modottis Leben war kurz und bewegt. Es begann in Udine, wo sie 1896 geboren wird. Mit 16 Jahren geht sie in die USA, arbeitet zunächst als Näherin in San Francisco. Im Los Angeles der 1920er-Jahre spielt sie in drei Stummfilmen mit und lernt den amerikanischen Fotografen Edward Weston kennen. 1924 ziehen die beiden nach Mexiko, drei Jahre später tritt Modotti der Kommunistischen Partei Mexikos (KPM) bei. Ein Attentat auf den mexikanischen Präsidenten im Jahr 1930 wird den Kommunisten angelastet, überall im Land werden Menschen festgenommen - so auch Modotti. Nach dreizehntägiger Haft muss sie das Land verlassen. Über Rotterdam gelangt sie nach Berlin, später nach Moskau und schließlich nach Spanien, wo sie für die Internationale Rote Hilfe (IRH) arbeitet. 1939 schließt sie sich dem Flüchtlingsstrom über die Pyrenäen nach Frankreich an und reist über New York wieder zurück nach Mexiko, wo sie 1942 stirbt.

Fotografin ...

Die Ausstellung zeigt eine umfassende Retrospektive der Fotografien Modottis. Beginnend bei ihren frühen architektonischen Detailstudien und Aufnahmen verschiedener Objekte, werden aus Modottis erster Schaffensphase auch ihre Fotografien von Pflanzen (darunter die berühmten "Rosen") sowie ihre Frauenporträts (wie jenes von Dolores del Río) gezeigt. Neben den bekannten Fotografien vom Puppenspieler Louis Bunin und den Bildern der Campesinos, der Landbevölkerung Mexikos, stechen vor allem Modottis Aufnahmen zum Thema "Arbeit und Elend" hervor. Zu sehen ist auch ihre berühmte Serie über die „Frauen von Tehuantepec" sowie Fotos der revolutionären Bewegung im Mexiko der 1920er-Jahre. Den Abschluss bilden Modottis Aufnahmen politischer Wandmalereien, der Murales - darunter viele von Diego Rivera.

... und Revolutionärin

Modottis Politisierung, ihr Engagement in der KPM und der IRH spiegelt sich in ihrer Fotografie wider. Sozialreportagen über das Leben der mexikanischen Bauern entstehen in den Jahren 1926/27. Ihnen folgen Fotografien aus dem Elendsviertel Colonia de Bolsa/Mexiko City. Zur selben Zeit entstehen die Stillleben "Hammer mit Sichel" und „Sombrero mit Hammer und Sichel" - Symbole der Revolution und zugleich "suggestive Propagandamittel", wie es im Ausstellungskatalog formuliert wird. Selbiges gilt für die zwischen 1926 und 1929 entstandenen Aufnahmen unterschiedlicher politischer Aktivitäten.

Fazit

Die Ausstellung gibt einen guten Überblick über Modottis fotografisches Werk, zeigt neben bekannteren Arbeiten auch solche, die bislang kaum beachtet wurden und kontextualisiert Modottis Schaffen in einem zeitgeschichtlichen und kulturellen Zusammenhang. Empfehlenswert! (Meri Disoski, 09. August 2010, daStandard.at)

Tina Modotti - Fotografin und Revolutionärin. Bis 7. November 2010 zu sehen im KunstHausWien.

  • Diego Rivera und Frida Kahlo, 1. Mai 1929
    foto: galerie bilderwelt, berlin

    Diego Rivera und Frida Kahlo, 1. Mai 1929

  • Hände des Puppenspielers
    foto: galerie bilderwelt, berlin

    Hände des Puppenspielers

  • Frau aus Tehuantepec
    foto: galerie bilderwelt, berlin

    Frau aus Tehuantepec

  • Frau mit Fahne
    foto: galerie bilderwelt, berlin

    Frau mit Fahne

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