Tägliches Lobbying für Jugendliche

5. August 2010, 13:14
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Manuela Synek, Teamleiterin der Jugendeinrichtung Back Bone 20 in Wien-Brigittenau, erzählt von ihrem Berufsalltag als "Lobbyistin" für Heranwachsende

Manuela Synek legt großen Wert darauf den Unterschied zwischen einem Jugendzentrum und der Jugendeinrichtung Back Bone 20, die sie seit 2008 leitet, zu erklären. Während in Jugendzentren der Fokus eher auf freizeit-pädagogische Angebote gerichtet ist, bietet Back Bone 20 niederschwellige soziale Beratung an: "Im Grunde genommen erfolgt unsere Arbeit im öffentlichen Raum, der Kontakt wird auf der Straße oder in den Parks aufgenommen", erzählt Synek.

Plaudern vor Ort

Die Jugendlichen kommen vorrangig aus sozial benachteiligten Familien, für die der öffentliche Raum oft die einzige Möglichkeit darstellt den engen Wohnverhältnissen zu entfliehen. Viele der bei Back Bone 20 betreuten KlientInnen haben Eltern mit nicht-österreichischer Herkunft. Das habe damit zu tun, dass viele Migranten zur einkommensschwachen Schicht mit entsprechend schlechten Wohnmöglichkeiten gehören, erläutert Synek. "Aber auch in gut situierten Familien kommt es vor, dass Jugendliche jemanden zum Reden brauchen", so die Leiterin.

Durch das "Plaudern vor Ort" werden auch diejenigen erreicht, die sonst nicht die klassische Jugendberatung in Anspruch nehmen. "Wenn ich wo hineingehen muss, hab ich eine gewisse Hemmschwelle, das ist bei mobiler aufsuchender Jugendarbeit nicht der Fall", erklärt die diplomierte Sozialarbeiterin Synek, die jahrelang als Streetworkerin gearbeitet hat. Dabei sei das "Zuhören ohne Bewerten und erhobenem Zeigefinger" sehr wichtig.

Vertrauen aufbauen

Durch die ersten Grundgespräche wird Schritt für Schritt Vertrauen aufgebaut, sodass in den Folgegesprächen den Beratern dann Fragen rund um Jobsuche, Bewerbungsschreiben, aber auch zu Behördenwegen und Gerichtsterminen gestellt sowie schulische und familiäre Probleme anvertraut werden. Die Jugendlichen können für solche und weitere Anfragen dreimal die Woche auch die zweistündigen Journaldienste oder nach Vereinbarung Einzeltermine in Anspruch nehmen.

Nicht immer reden die Jugendlichen spontan über ihre Schwierigkeiten. Synek weist darauf hin, dass es wichtig ist als Jugendbetreuerin die sprachlichen Codes der Heranwachsenden zu knacken: "Jugendarbeit ist eine andere Form von Sozialarbeit, es nicht wie in der Erwachsenenberatung, wo Erwachsene zu Beratungsstunden kommen und von ihren Problemen erzählen, man muss heraushören, welches Problem es geben könnte."

Ressourcenorientierter Ansatz

In einer Erwachsenenwelt, in denen Heranwachsende oft als aggressive oder zu laute und freche Problemkinder gesehen werden, versucht das Team von Back Bone 20 den jungen Menschen zu Erfolgserlebnissen zu verhelfen. "Oft wissen die Jugendlichen selber nicht, wozu sie fähig sind", berichtet Synek. Insbesondere die Möglichkeit im Probe- und Aufnahmeraum von Back Bone 20 zu rappen, hat den Teenagern, vor allem den Mädchen, mehr Selbstvertrauen gebracht. Bei den Jungs dienen das Rappen bzw. die selbst geschriebenen Texte auch zum Abbau von Spannungen, berichtet Teamleiterin Synek. Bei der Jobsuche hilft Back Bone 20 ebenfalls, so gibt es ein Projekt mit "Wiener Wohnen", wo einige ihrer jungen KlientInnen schon den Sprung in die Arbeitswelt geschafft haben.

Lobbyarbeit

Synek sieht die soziale Jugendberatung als Lobbyarbeit für Heranwachsende: "Ich versuche der Gesellschaft zu erklären, wie Jugendliche leben und umgekehrt den Jugendlichen, wie die Gesellschaft funktioniert und welche Konsequenzen ihr Handeln haben kann."

Gespräche mit Anrainern kommen oft vor, wobei Synek diejenigen, die sich über zu laut spielende Kinder beschweren, gerne zum eigenen Verhalten im Kindes- oder Jugendalter befragt. Auch mit "überforderten Lehrern", die nicht verstehen, dass ein Schulkind aus bildungsferner Schicht, egal ob mit oder ohne Migrationshintergrund, andere und mehr Unterstützung braucht als beispielsweise das Kind eines Akademikers, sucht die Sozialarbeiterin das Gespräch.

Die vielschichtigen Probleme der Jugendlichen, sind aber nicht die größte Herausforderung im Arbeitsalltag der Sozialarbeiterin. „Das ist nur ein Aspekt meiner Arbeit", sagt Synek. Die behördlichen Hürden, denen sie täglich begegnet, machen ihr wesentlich mehr zu schaffen, betont Synek.

 

  • "Unsere Arbeit erfolgt im öffentlichen Raum, der Kontakt wird auf der Straße oder in den Parks aufgenommen"
    foto: back bone 20

    "Unsere Arbeit erfolgt im öffentlichen Raum, der Kontakt wird auf der Straße oder in den Parks aufgenommen"

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