Hund bringt Herrl nicht mehr zu Psychiater

24. April 2003, 18:42
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Hundebesitz im gemeinnützigen Wohnbau war bisher nur in Ausnahmefällen erlaubt - Vorarlbergs lockert Tierhalte-Richtlinien

Dornbirn - Wer einen Hund will, muss nun nicht mehr zum Psychiater gehen. Denn die Vogewosi, Vorarlbergs größte gemeinnützige Wohnbau- und Siedlungsgesellschaft, nimmt die Tierhaltung ihrer Mieterinnen und Mieter nun lockerer. Hundebesitz war bisher nur in Ausnahmefällen erlaubt. Etwa drei Prozent der Mieter erhielten eine Sonderbewilligung für die Hundehaltung. So wohnen rund 400 Hunde gemeinnützig. Die Dunkelziffer der illegalen, "schwarzen" Hunde, wird auf rund 70 geschätzt.

Die Genehmigung für die Hundehaltung zu bekommen war nicht einfach. Wer ein Tier wollte, musste ein psychiatrisches Gutachten vorlegen, "warum man einen Hund braucht" (Vogewosi-Geschäftsführer Hans-Peter Lorenz). Auf die ärztliche Verschreibung verzichtet die Vogewosi nun. Es sei ja nicht die beste Nachred' "wenn die Leute erzählen, dass sie die Vogewosi zum Psychiater schickt", räumt Lorenz ein.

Nachbarliches Ja Seit Jahresbeginn gelten in den 12.600 Wohnungen neue Tierhalte-Richtlinien. Lorenz: "Wir haben die Bestimmungen gelockert und in den direkten Entscheidungsbereich übertragen." Was heißt: Wer sich einen Hund anschaffen will, braucht die Zustimmung der Nachbarn. 80 Prozent der Mitbewohner einer Stiege oder einer Reihenhausanlage müssen mit dem vierbeinigen Nachbarn einverstanden sein.

Antrag beim Hausverwalter

Dazu muss der Tierfreund einen Antrag beim Hausverwalter stellen. Im Antrag wird die Rasse und Größe des Tieres festgehalten, bevor die schriftliche Zustimmung der Nachbarschaft eingeholt wird. Mit der Bewilligung erhält der neue Hundebesitzer dann eine Empfehlung der Wohnbaugesellschaft, sich über die verantwortungsvolle Haltung im Tierschutzheim oder beim Tierarzt entsprechend informieren zu lassen. Beispielsweise über die passende Hunderasse und -größe.

Landesveterinärdirektor Erik Schmid bei der Präsentation der neuen Regelung: "Je dichter die Bauweise, umso kleiner sollte der Hund sein." Auch auf rassespezifische Merkmale, wie Bewegungsdrang oder Aggressionspotenzial, müsse geachtet werden. Schmid: "Nicht der Hund ist das Problem, sondern die Motivation des Halters." (jub; DER STANDARD Printausgabe 25.4.2003)

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