Österreich-Prognosen erneut gesenkt

24. April 2003, 18:52
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Weltwirtschaft steht trotz Risiken vor Aufschwung - Krise am Arbeitsmarkt verschärft sich weiter

Berlin/Paris/Wien - Die Weltwirtschaft steht nach Einschätzung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) unter Führung der US-Wirtschaft trotz einiger fortbestehender Risiken vor einer Belebung.

"Die Knöpfe sind gedrückt"

"Die Konjunktur ist in einen Aufzug eingestiegen, die Knöpfe sind gedrückt und jetzt warten alle noch darauf, dass sich die Türen schließen und es aufwärts geht", zog der OECD-Experte Andreas Wörgötter am Donnerstag das Fazit des neuen Ausblicks auf die Weltwirtschaft. Die USA würden die Konjunkturlokomotive sein: Der US-Aufschwung werde schon im zweiten Halbjahr 2003 einsetzen und mit Wachstumsraten von 2,5 Prozent in diesem und vier Prozent 2004 Jahr einher gehen. Europa werde mit etwa einem halben Jahr Verzögerung und deutlich geringeren Zuwächsen folgen. Mit 0,3 Prozent Wachstum in diesem und 1,7 Prozent im nächsten Jahr werde Deutschland am Schluss des Feldes der Industrieländer rangieren und brauche dringend Strukturreformen.

Für Österreich hat die Pariser Organisation die Wachstumsaussichten im Vergleich zur Herbstprognose von 1,9 auf 1,1 Prozent zurück genommen. Einen wirtschaftlichen Aufschwung sieht die OECD erst gegen Jahresende - parallel mit dem Anziehen der Weltkonjunktur und den damit einher gehenden steigenden Exporten. Gestützt werde die österreichische Wirtschaft zudem von den hohen Wachstumsraten in den EU-Erweiterungsländern, der Budgetpolitik und der positiven Entwicklung im Tourismus. Die Arbeitslosigkeit werde jedoch bis 2004 weiter auf 5,9 Prozent steigen, hieß es.

Gesunkene Brisanz

In dem OECD-Bericht heißt es, rotz der fortbestehenden Unsicherheiten und der aktuell kraftlosen Konjunktur sei von einer "schrittweisen, wenn auch wenig spektakulären weltweiten Erholung" auszugehen. Mit dem endenden Irak-Krieg hätten Risikoquellen, insbesondere die Gefahr einer neuen Ölkrise, an Brisanz verloren. Die OECD geht von einem durchschnittlichen Ölpreis von 26 Dollar je Barrel (159 Liter) in diesem und 25 Dollar im nächsten Jahr aus. Andere Unsicherheiten und Risiken bestünden aber fort. So könnte die Lungenkrankheit SARS die betroffenen Staaten wirtschaftlich erheblich belasten.

"Der Rückfall in eine Rezession hat nur eine sehr geringe Realisierungswahrscheinlichkeit", sagte OECD-Experte Wörgötter. Für die OECD-Region, die die wesentlichen Industrieländer umfasst, rechnet die Organisation mit einer nur minimalen Wachstumsbeschleunigung im laufenden Jahr um 0,1 Prozentpunkte auf 1,9 Prozent, die dann mit einem Plus von 3,0 Prozent im nächsten Jahr stärker ausfallen sollte. Die Führung bei der erwarteten Erholung werde die US-Wirtschaft übernehmen, die nach dem Ende des Irak-Krieges mehr Dynamik zeigen dürfte. Besorgt äußerte sich die OECD zur Entwicklung des US-Haushalts, der angesichts von Steuersenkungen und höherer Staatsausgaben im Jahr 2003 ein Defizit von 4,6 Prozent und 2004 von 4,2 Prozent aufweisen werde. Daher sei ein Anstieg der US-Zinsen zu erwarten. Das Defizit müsse mittelfristig reduziert werden.

Euroraum bescheiden

Dagegen wird die Wirtschaft im Euro-Raum laut OECD im laufenden Jahr mit einem Zuwachs von 1,0 Prozent und 2004 von 2,4 Prozent nur bescheiden expandieren, wobei Deutschland dahinter noch deutlich zurückbleibe. Angesichts fortbestehender Kapazitätsüberhänge und einer durch den hohen Euro nur moderaten Exportbelebung dürften die Unternehmensinvestitionen erst 2004 in Schwung kommen. In Japan werde das Wachstum in diesem wie im nächsten Jahr mit nur rund einem Prozent schwach bleiben.

Die Arbeitsmarktlage wird sich nach OECD-Schätzungen in den meisten Industrieländern kaum bessern, die Arbeitslosigkeit im Euroraum und in Japan zunächst eher zunehmen. Die Inflation sei dagegen generell niedrig und tendiere weiter nach unten. In Deutschland, wo sie 2003 und 2004 unterhalb von einem Prozent liegen dürfte, bestehe aber keine Deflationsgefahr, anders als in Japan, wo die Zahlen seit längerem eine Deflation ausweisen.

Finanz-Spielräume ausgereizt

Größere Impulse von der Finanzpolitik sind weltweit nach OECD-Angaben kaum mehr zu erwarten. Die Finanzpolitik habe ihre Spielräume ausgereizt, wenn nicht mehr als das. Eine noch stärkere Lockerung sei nicht anzuraten. Dagegen könnte die Geldpolitik im Euro-Raum noch Impulse setzen. Die OECD forderte die Europäische Zentralbank (EZB) auf, ihren Spielraum für Zinssenkungen von mehr als einem Viertel Prozent auch zu nutzen. (APA/Reuters)

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    montage: derstandard.at
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