NÖ: Gendarm wegen jahrelangen Missbrauchs seiner Tochter vor Gericht

23. April 2003, 13:09
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Mädchen zwischen ihrem sechsten und zwölften Lebensjahr angeblich mit gezogener Dienstwaffe eingeschüchtert

Wien - Ein 47-jähriger Gendarm muss sich seit wegen sexuellen Missbrauchs seiner Tochter im Wiener Straflandesgericht verantworten. Der an einem Posten in Niederösterreich tätige, derzeit jedoch vom Dienst suspendierte Beamte soll sich zwischen ihrem sechsten und zwölften Lebensjahr an dem Mädchen vergangen haben. Laut Anklage schüchterte er sie dabei auch mit gezogener Dienstwaffe ein. Der Mann wies dies entschieden zurück: "Ich habe nichts gemacht!"

Brief an die Freundin

Im fraglichen Zeitraum lebte der Gendarm mit seiner Ehefrau und der 1981 geborenen Tochter in einer winzigen Wohnung in Wien-Floridsdorf. Niemals sei es zu Übergriffen gekommen, er habe praktisch rund um die Uhr gearbeitet, erklärte er einem Schöffensenat (Vorsitz: Johannes Jilke, Staatsanwältin Alexandra Mathes).

Allerdings vertraute sich das Mädchen bereits mit 15 Jahren in einem Brief einer Mitschülerin an. Detailliert war dort von gegen den Vater gerichteten Missbrauchs-Vorwürfen die Rede. Über die Mutter der Freundin landete das Schreiben schließlich bei der leiblichen Mutter des Kindes, welche die Anschuldigungen als "unmöglich, das kann nicht sein" abtat. Der Brief wurde darauf hin vernichtet.

Persönlichkeitsstörungen und einer Ess-Brechsucht

Anzeige erstattete die nunmehr 22-Jährige erst im Jahr 2001. Einem Gutachten zufolge leidet sie an Persönlichkeitsstörungen und einer Ess-Brechsucht, die auf die behaupteten Vorfälle zurück geführt werden könnten.

Die in seinen Augen völlig aus der Luft gegriffenen Behauptungen erklärte sich der Angeklagte wie folgt: Seine Tochter sehe in ihm den Schuldigen am Tod der Mutter. Diese hätte es nicht verkraftet, dass er sich scheiden ließ und mit einer anderen Frau eine neue Ehe einging. Seine Familie glaube nun, die Ex-Frau habe sich das alles so zu Herzen genommen, dass sie an Krebs erkrankte und daran starb.

Der Prozess ist auf mehrere Tage anberaumt und wird in der kommenden Woche zu Ende gehen. (APA)

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