Werberat: "2002 gab's keine Rita" - Das Werbejahr 2002 kam ohne "Aufreger" aus

27. Jänner 2004, 12:25
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NÖM-TV-Spot "Mann und Frau" mit den meisten Beschwerden - Mit Ansichtssache

Keinen echten "Aufreger" hatte das Werbejahr 2002 aufzuweisen: Der Österreichische Werberat (ÖWR) verzeichnete "deutlich weniger Beschwerden als 2001", sagte Heinrich Schuster, Präsident des Organs zur Selbstkontrolle der heimischen Werbebranche, am Mittwoch bei der Präsentation des Jahresberichts. Insgesamt langten 174 Beschwerden ein, 28 Kampagnen wurden beanstandet. 2001 waren es noch 248 Beschwerden gewesen, die sich auf 32 Kampagnen bezogen hatten.

Die Mehrzahl der eingebrachten Beschwerden betrafen im Jahr 2002 die Punkte Erniedrigung von Menschen (70), Diskriminierung von Frauen (25), Sexistische Werbung (21), Gefährdung von Kindern (7), täuschende Werbemaßnahmen (5) sowie Ethik und Moral (1).

Libro- und Gate Watchers-Kampagne gestoppt

In zwei Fällen hat der ÖWR den Auftraggeber zum Stopp der Kampagne aufgefordert, dabei handelte es sich um die Printanzeigen von "Gate Watchers" ("Meine Papiere habe ich schon abgeholt, meine Daten sauge ich morgen ab, ein Ex-Mitarbeiter") und um eine Anzeige von Libro ("Wenn ich ein geeignetes Opfer sehen, drücke ich einfach ab ...").

"Anderes Frauenbild"

In den meisten Fällen aber sah der ÖWR keinen Grund zum Einschreiten. Frauen diskriminierende Kampagnen seien übrigens insgesamt eher im Abnehmen, hieß es am Mittwoch: Ein "anderes Frauenbild", wie es in der Realität bereits Faktum sei, beginne sich nun auch in der Werbewelt durchzusetzen, so die Einschätzung des ÖWR-Präsidenten und seiner Stellvertreter Gerd Schütz und Paul Schauer.

Im Jahr 2001 hatte vor allem "Rita", die junge Frau, die bei der Erwähnung von Fondssparplänen in einem Erste Bank-Spot in akute sexuelle Erregung geriet, für einen Run auf den Werberat gesorgt.

Eine würdige Nachfolgerin für Rita gab es 2002 - erfreulicherweise, wie Schuster und seine Präsidiumskollegen betonten - nicht.

NÖM-TV-Spot

Mit Abstand die meisten Beschwerden, nämlich 66, langten im Vorjahr zu einem Werbespot für NÖM-Joghurt ein. Man bringe zusammen, "was von Natur aus zusammengehört", versprach der Molkereikonzern in dem Spot (Ansichtssache: "Mann und Frau, Frucht und Jogurth") und illustrierte dies mit Früchten und Joghurt, aber auch "Mann und Frau". Schwulen- und Lesbenorganisationen sahen darin eine Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Beziehungen, es folgten die zahlreichen Beschwerden beim Werberat. Dieser befand aber schließlich, dass es keinen Grund zum Einschreiten gebe, "da ja niemand verunglimpft wurde", wie Schuster am Mittwoch erläuterte. NÖM hat den Claim mittlerweile dennoch abgeändert.

"Das Körberl"

Platz zwei im Beschwerdenranking mit 16 Eingaben ging an die Bäcker-Kampagne "Das Körberl", in dem eine barbusige Frau in Lederhose die Vorzüge frischer Semmeln kommunizieren sollte (das Sujet war für etat.at ein Fall für "Uns fehlen die Worte"). Diese Kampagne wurde laut Schuster nach Intervention des ÖWR von der ausführenden Agentur eingestellt.

Die drittmeisten Beschwerden verzeichnete indes der Werberat selbst: Für die Illustration seiner Homepage mit einem Sujet einer früher beanstandeten Vossen-Kampagne. Das Bild wurde inzwischen entfernt. (APA/red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    "Köberl-Werbung" der Bäckermeister (zum Vergrößern anklicken)

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