Chuck Barris verrät nichts mehr über angebliche CIA-Tätigkeit

22. April 2003, 15:02
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"Herzblatt"-Erfinder: "Heute ist Fernsehen ohne Reality-Shows undenkbar, und die meisten sind weit schlechter als meine damals waren"

Der Film "Confessions of A Dangerous Mind", der am 24. April in den österreichischen Kinos anläuft, basiert auf der "Autobiografie" des 73-jährigen TV-Produzenten Chuck Barris, der mehr als 25 Jahre den Ton im US-Fernsehen angegeben hat. In seinem 1982 erschienenen Buch schildert der Playboy nicht nur sein Leben im Scheinwerferlicht, sondern behauptet auch, nebenbei als CIA-Agent tätig gewesen zu sein. Eigenen Angaben zufolge will er mehr als 30 Menschenleben auf dem Gewissen haben.

Aussagen, die Barris heute nicht mehr bestätigt, selbst Regisseur George Clooney konnte dem angeblichen Profikiller kein einziges Wort dazu entlocken. "Ich habe mich einige Male mit Chuck Barris getroffen, wir haben ausführlich über seine Undercover-Tätigkeit gesprochen. Bis zuletzt konnte ich nicht herausfinden, was an seinen Erzählungen wahr ist." Auch im APA-Gespräch lüftet Barris sein Geheimnis nicht.

APA: Wie ist die Zusammenarbeit mit George Clooney zustande gekommen?
Chuck Barris: Obwohl das Buch kurz nach der Veröffentlichung in der Versenkung verschwunden ist, gab es 1984 das erste Filmangebot. Mindestens fünf Mal gab es "grünes Licht" für den Film, mindestens so oft warf irgendeiner das Handtuch. Schließlich las George Clooney das Script und hat mir gesagt, dass er den Film drehen möchte. George hat mich auch zu den Dreharbeiten eingeladen. Sein Debüt als Regisseur ist großartig, man sieht, dass seine Vorbilder die großen europäischen Regisseure sind. Und George hat auch den besten Hauptdarsteller gefunden. Als ich Sam Rockwell auf der Leinwand gesehen habe, ist mir die Gänsehaut über den Rücken gekrochen, weil er mich so perfekt spielt. Ich bin jetzt über 70 Jahre alt, wer denkt da schon, dass er nochmals ein gefragter Mann sein wird? Und wer weiß, vielleicht schreibe ich ja noch einmal ein Buch.

APA: Warum werden Sie als Vater der Reality Shows bezeichnet?
Chuck Barris: Meine ersten Fernsehsendungen waren "Dating Game" und "The Gong Show". Diese Show führte dann zu Jerry Springer, Fear Factor, Big Brother und wie sie alle heißen. Was diese Shows mit meiner gemeinsam haben, ist, dass keine vorgegebenen Fragen- und Antwortkataloge existieren. Allerdings war es vor 20 Jahren so, dass man mich und meine Shows verdammt hat, weil sie angeblich dumm waren. Ich wurde für den Verfall unserer zivilisierten Gesellschaft verantwortlich gemacht. Heute ist Fernsehen ohne Reality-Shows undenkbar, und die meisten sind weit schlechter als meine damals waren.

APA: Was haben Sie nach dem Ende Ihrer Fernsehkarriere gemacht?
Chuck Barris: Ich habe meine Firma verkauft, weil - wie gesagt - die Kritik zu groß wurde und auch die Shows nicht mehr gut gingen. Ich bin nach Frankreich ausgewandert, weil ich weit weg wollte. Obendrein dachte ich, ich würde wie Hemingway an der Riviera sitzen und mein Buch schreiben, aber ich habe keine einzige Zeile geschrieben. Ich bin nach Belgien, England, Italien und Deutschland gefahren - es war eine schöne Zeit, bis ich ihr eines Tages überdrüssig wurde. Ich brauche immer etwas Neues und Aufregendes im Leben. In meinem Büro in Hollywood hing eine Tafel, auf der stand: Mach nur das, wozu du Lust hast. Das war mein Credo, und ich hatte auch ein abenteuerliches Leben. Dass das Leben nicht immer nur Spaß ist, habe ich durch meine Krebsoperation zu spüren bekommen. Damals war ich auch nicht verheiratet, ich war also mutterseelenallein und das war ziemlich hart. In schlechten Zeiten lernt man, wie kostbar und limitiert die Zeit ist.

APA: Waren Sie tatsächlich als CIA-Agent tätig?
Chuck Barris: Das werde ich Ihnen nicht verraten. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Sam Rockwell spielt Chuck Barris im Film "Confessions of A Dangerous Mind".

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