"Kiss & Kill": Hardliner in der Vorstadtwelt

4. August 2010, 16:57
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US-Romantic-Comedy mit wenig Sprengkraft und Katherine Heigl in ihrer immergleichen Rolle der patenten Blondine: "Kiss & Kill"

Wien - Die angehende Frau Doktor hatte es nicht leicht: Sie sah aus wie das Klischee des blonden Dummchens. Aber dass sie den mütterlichen Wohnwagen hinter sich gelassen hatte, verdankte sie ihrem klaren Verstand. Auch Empathie und (derber) Humor gehörten zu ihren Stärken - und überdies hatte die Fernsehserie Grey's Anatomy keine größere Romantikerin als Izzie Stevens gesehen.

Seit sich die US-Schauspielerin Katherine Heigl von dieser facettenreichen Figur und Grey's Anatomy verabschiedet hat, muss sie in Kinofilmen nun immer die gleiche - und ungleich beschränktere - Rolle spielen: Die patente Blondine, die ihre Karriere ganz gut im Griff hat, aber in Bezug auf Männer dafür umso ungeschickter agiert. Nicht zuletzt müssen ihr die jeweiligen Partner immer erst beibringen, wie Entspannung geht. Heigl erinnert dabei nicht nur äußerlich an Doris Day,

Ihr aktueller Film heißt Kiss & Kill (Killers im Original). Regie geführt hat - wie beim letzten Heigl-Vehikel The Ugly Truth - Industrieroutinier Robert Luketic, Ashton Kutcher ist diesmal der Leading Man. An der Côte d'Azur wird Jen (Heigl) seiner ansichtig. Sie ist frisch getrennt und urlaubt dort mit ihren WASP-Eltern (Vater bestimmend, Mutter beschwipst). Anfänglich ist sie vor allem von Spencers (Kutcher) äußerer Erscheinung beeindruckt, aber zur romantischen Komödie braucht es mehr als Sex.

Drei Jahre später sind die beiden bereits ein gut eingespieltes Ehepaar. Komplikationen treten auf, als Spencer von seiner Vergangenheit eingeholt wird. Sein entscheidendes Geständnis hat Jen nämlich seinerzeit verpennt: Er war vorm Rückzug nach Suburbia CIA-Agent mit der Lizenz zum Töten. Während sie in Südfrankreich auf der Jagd nach einem Kleid fürs erste Date war, hat er eine Bombe unter einer Yacht fixiert, die später hochging. Jetzt wird er plötzlich von seinem alten Verbindungsoffizier kontaktiert.

Das bringt Zweifel und Lebensgefahr in die traute Zweisamkeit. Und es macht den Film zu einer unrunden Sache. Zwischen exzessiver Selbstverteidigung mit etlichen Toten und Zweierbeziehungsturbulenz will sich kein gemeinsamer komischer Nenner und passender Tonfall finden.

Manche Aspekte dieses Konflikts sind interessant: Hardliner-Randbemerkungen wie jene, dass die heile Vorstadtwelt ihre Existenz schließlich nur den zu allem entschlossenen Kämpfern da draußen verdanke, werden schön auf den Punkt gebracht (und die Vorstadt lustvoll von den eigenen Bewohnern plattgemacht). Wirklich gut ist Kiss & Kill deshalb noch nicht. Vor allem um die einmal mehr unter Wert eingesetzte Hauptdarstellerin ist es schade. (Isabella Reicher, DER STANDARD/Printausgabe, 05.08.2010)

  • Eine Handfeuerwaffe will nicht bedient werden: Katherine Heigl in "Kiss 
& Kill" .
    foto: kinowelt

    Eine Handfeuerwaffe will nicht bedient werden: Katherine Heigl in "Kiss & Kill" .

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