Alarmsysteme, die Einbrechern keine Chance lassen

8. August 2010, 17:00
19 Postings

Um ein paar Euro bekommt man schon eine Alarmanlage fürs Eigenheim, doch man kann auch Tausende von Euro ausgeben. derStandard.at hat zwei Experten gefragt, was sie empfehlen und wovon sie abraten

Die eigensinnigste Alarmanlage, die es gibt, ist sich Anna Weiß sicher, ist ihr Rauhaardackel Sam. "Er schlägt an, sobald sich jemand der Tür nähert, er macht aber keinen Unterschied, ob es nun das Herrl oder ein Unbekannter ist." Sam hört sich an wie ein viel größerer Hund, "frisst aber nicht so viel und eignet sich besser zum Kuscheln." Und wenn Weiß den Hund schon mit einer Alarmanlage gleichsetzen muss, dann fällt ihr auch ein, dass Sam mit auf Campingurlaub fährt und dort auch den Bus bewacht. Auf die Frage, wer dann das Haus bewacht, stutzt Anna Weiß kurz und antwortet dann, dass ihr Vater jeden Tag vorbeikommt und nach dem Rechten schaut. "Aber stimmt, wirkliche Alarmanlage haben wir dann keine." Zudem: Hunde lassen sich oft schlecht mit Alarmanlagen kombinieren.

Falscher Alarm

"Haustiere können Falschalarme auslösen, wenn sie beim Konzipieren der Alarmanlage nicht miteinbezogen werden", warnt Klaus Neumann, Projektleiter Sicherheitstechnik der Ing. Sumetzberger GmbH, und empfiehlt, vor dem Kauf einer Alarmanlage unbedingt einen Experten aufzusuchen: "Viele Fachfirmen bieten auch schon eine kostenlose Beratung an." Dort sollte man Antworten auf die Fragen finden: "Was möchte ich schützen – ein besonderes Objekt, generell ein Gebäude, eine Person? Wie kann eine Alarmierung aussehen?" Denn eine Sirene ist sinnlos, wenn sie niemand hört, weil das Haus alleine steht.

Weitere wichtige Frage: "Wie einfach ist das System zu bedienen?" Der Experte sollte darüber aufklären, dass eine Alarmanlage neben der Sicherheit, die sie bietet, auch die persönliche Freiheit einschränkt, weil man zum Beispiel nicht einfach dem Nachbarn zum Blumengießen den Schlüssel in die Hand drücken kann, sondern ihm auch die Alarmanlage erklären muss.

Trotzdem rät Josef Janisch, Abteilungsinspektor des kriminalpolizeilichen Beratungsdienstes, zu Alarmanlagen: "Zweifelsohne schrecken Alarmanlagen Einbrecher ab. Das alte Vorurteil, dass eine Alarmanlage dem Einbrecher zeigt, wo sich das Einbrechen auszahlt, stimmt nicht." Aber Inspektor Janisch warnt auch: "Die Hauseinbrecher haben sich spezialisiert: Sie spionieren die Hausbesitzer aus, bis sie deren Gepflogenheiten und das gesamte Gelände kennen. Und nur eine Attrappe zu montieren, bringt nichts. Der Einbrecher schlägt die Scheibe ein, und wenn dann kein Alarm losgeht, kennt er sich schon aus."

Billig oder top, Draht oder Funk

Die Palette der angebotenen Alarmanlagen ist riesig. "Sie fängt an bei Billig-Kompaktgeräten, die aus einer Bewegungsmelder- und einer Sireneneinheit bestehen und schon ab 20 Euro zu kaufen sind, und geht bis hin zu Top-Lösungen in der Höhe von einigen Tausend Euro", erklärt Neumann. "Von der Installation her einfach und günstig sind Funkalarmanlagen, die besonders im Privatbereich eine Alternative zu herkömmlichen drahtgebundenen Anlagen sind."

Bei Funkanlagen senden Sensoren, die etwa am Fenster oder an der Tür sitzen, über Funk an die Zentraleinheit der Alarmanlage. Und genau dort liegt eine der Schwachstellen der Anlage, meint Janisch: "Manche Funkanlagen machen Probleme und sind anfällig auf Störsender, und es kommt häufiger zu Fehlalarmen als bei verkabelten Systemen. Außerdem wird jede Einheit durch eine Batterie mit Strom versorgt. Die kleinen Batterien sind zum einen recht teuer. Zum anderen ist es ziemlich kompliziert, sie zu wechseln, weil man nur mit den entsprechenden Codes die Geräte aufmachen kann. Daher ist es besser, einen ordentlichen Servicevertrag mit der Alarmanlagen-Firma abzuschließen."

Leerverrohrung für spätere Installation

Die Polizei rät außerdem dazu, verkabelte Systeme zu installieren. "Uns ist klar, dass die Verkabelung mit einem Aufwand verbunden ist, vor dem sich viele scheuen. Darum schlagen wir Leuten, die gerade ein Haus bauen oder renovieren, vor, Leerverrohrungen vorzusehen." Grundsätzlich empfiehlt die Polizei eine Kombination aus Bewegungsmeldern und Magnetkontakten auf Fenstern und Türen. "Wenn jemand zuhause ist, sind nur die Magnetkontakte aktiv; wenn keiner zuhause ist, dann auch die Bewegungsmelder. Wenn die Anlage dann auch noch von einer Firma gewartet wird, gibt es eigentlich keine Chance für Einbrecher."

In der Alarmanlage, die ein heimisches Telekommunikationsunternehmen anbietet, sieht Janisch auch ein Angebot, "um Festnetzkunden zu halten, denn dieser Anschluss ist eine Voraussetzung. Die Anlage ist vor allem für Wohnungen konzipiert und besteht in der Minimalversion aus einem Magnetkontakt und einem Bewegungsmelder. Ein ausgelöster Alarm geht erst zur aon-Sicherheitszentrale, die dann den Wohnungsbesitzer zu kontaktieren versucht. Wenn der sich nicht meldet, wird die Polizei alarmiert."

Bei den komplexen Systemen geht Technik-Experte Neumann noch weiter als der Exekutivbeamte und verweist auf die neuesten Trends: "Die gehen immer mehr in die Richtung, Alarmanlagen auch mit anderen sicherheitstechnischen Systemen wie Zutrittskontrollen oder Videoüberwachung zu kombinieren. Das Sahnehäubchen, sozusagen, wäre dann noch ein PC-gesteuertes Leitsystem, auf dem die sicherheitstechnischen Einrichtungen grafisch dargestellt werden."

Auf die VSÖ-Zertifizierung kommt es an

Bei der Frage, worauf Käufer von Alarmanlagen unbedingt achten sollen, sind sich die beiden Experten einig: auf die Zertifizierung durch den VSÖ (Verband der Sicherheitsunternehmen Österreichs). "Auch das deutsche Zertifikat VdS kann man als Qualitätsmerkmal heranziehen", meint Neumann. Abteilungsinspektor Janisch rät außerdem dazu, die Anlage nicht von einem normalen Elektriker installieren zu lassen, "sondern auch die Gewerbeberechtigung der Alarmanlagen-Firma anzusehen. Zudem sollte man auf einen Installationstest bestehen und schauen, dass bei Angeboten alle vorgeschlagenen Anlagen das VSÖ-Prüfzeichen haben – und nicht nur eine."

Um ein VSÖ-Prüfzeichen braucht sich Anna Weiß bei ihrem Rauhaardackel nicht kümmern. Höchstens eine BGH-Plakette könnte sie ihm umhängen, aber die Wahrscheinlichkeit, "dass ich es mit dem sturen Lackel durch die Begleithundeprüfung schaffe, sind so gering, dass der Aufwand nicht lohnt." (Guido Gluschitsch, derStandard.at)

Share if you care.