Toyotas Erholung mit Schattenseiten

4. August 2010, 17:55
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Trotz einer langen Serie von Pannen ist der japanische Autohersteller mit einem Gewinnsprung in das neue Geschäftsjahr gestartet

Toyota, vor der Krise lange Japans profitabelster Autohersteller, erholte sich im ersten Quartal unerwartet deutlich, hinkt aber gebeutelt von Rückrufen weit hinter seinen heimischen Rivalen Honda und Nissan her. Zusätzlich überschatten neue Vorwürfe über vertuschte Qualitätsmängel in den USA Toyotas Rückkehr in die Gewinnzone und einen Umsatzsprung in Nordamerika.

Im ersten Quartal seines seit April laufenden Bilanzjahres 2010 konnte der weltgrößte Autoproduzent seinen Betriebsgewinn im Vergleich zum Vorjahr überraschend stark um 406,5 Mrd. Yen auf 211,7 Mrd. Yen (rund 1,9 Mrd. Euro) und seinen Umsatz um 27 Prozent auf 4871,8 Mrd. Yen steigern, teilte der Konzern Mittwoch mit. Allerdings verblasst Toyotas operative Gewinnmarge von 4,3 Prozent im Vergleich zu der von Nissan oder Honda, die im gleichen Zeitraum 8,3 Prozent bzw. 9,9 Prozent verbuchten.

Noch deutlicher wird der Unterschied in den Jahresprognosen. Toyota erwartet mit 19.500 Mrd. Yen etwas mehr Umsatz und mit 340 Mrd. Yen zehn Prozent mehr Reingewinn als noch im Mai.

Kostensenkung und mehr Umsatz

Motoren der Erholungen waren drastische Kostensenkung und ein starker Umsatzanstieg in allen Märkten außer Europa, wo der Absatz wegen dem Auslaufen der Abwrackprämie in Deutschland und die Folgen der europäischen Schuldenkrise um 26.000 Autos absackte. Zusätzlich kurbelten einmalige Gewinne der amerikanischen Finanzgesellschaft den Betriebsgewinn an. Dadurch wurden Wechselkursverluste, die der Anstieg des Yen gegenüber Dollar und Euro verursacht hat, mehr als wettgemacht. Toyotas größte Schwachstelle bleibt allerdings der nordamerikanische Markt. Im Vergleich zum katastrophalen Vorjahresquartal konnte Toyota seinen Absatz zwar mit dem Markt wieder um 139.000 auf 526.000 Autos hochfahren. Jedoch wurde der Achtungserfolg wegen des Imageverlusts als Qualitätsführer mit hohen Rabatten erkauft. In einem Qualitätsranking des Marktforschers J. D. Power vom Juni fiel Toyota vom siebten auf den 21. Platz zurück.

Im ersten Quartal steckte Toyota nach Berechnungen vom Marktforscher Edmunds.com mit 2235 Dollar 44 Prozent mehr an Leistungen in jedes verkaufte Auto als noch vor einem Jahr. Sollte dieser Trend anhalten, hätte Toyota es schwer, sein alte Gewinnniveau wieder zu erreichen.

Jüngste Daten sind kein gutes Omen. Nachdem Toyota im Juli nach den guten Verkäufen im Mai und Juni seine Rabatte gesenkt hat, brach der US-Absatz im Vorjahresvergleich um 6,8 Prozent ein. Die US-Hersteller freuten sich hingegen über vermehrten Absatz. Zudem sind Toyotas Gebrauchtwagenpreise - ein guter Indikator für den Wert einer Marke - kaum, die der Konkurrenz hingegen deutlich gestiegen.

Zu allem Überfluss reißen auch die Probleme nicht ab. So musste Toyota erst Ende Juli einen Rückruf von 400.000 Avalons wegen Steuerproblemen bekanntgeben. (Martin Kölling, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.8.2010)

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    Ein glänzendes Quartal für Toyota.

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