Frühester bekannter Hund lebte vor 14.000 Jahren

3. August 2010, 14:45
35 Postings

Tübinger Forscher fanden Überreste, die sich deutlich von Wolfsknochen unterscheiden

Genf - Wissenschafter von der Universität Tübingen haben unter vor fast 130 Jahren ausgegrabenen archäologischen Fundstücken aus der Schweiz vermutlich den weltweit ältesten Nachweis für einen domestizierten Haushund entdeckt. Die Fragmente eines Kieferknochens müssten als frühester unbestreitbarer Nachweis für den Hund als Begleiter des Menschen betrachtet werden, schrieben die beiden Archäologen Hannes Napierala und Hans-Peter Uerpmann  im Fachjournal International Journal of Osteoarchaeology.

Die Experten nahmen für ihre Untersuchungen Knochenteile und Zahnfragmente unter die Lupe, die bereits im Jahr 1873 in der Kesslerloch-Höhle im schweizerischen Kanton Schaffhausen entdeckt worden waren. Das Alter der Fundstücke geben sie mit 14.100 bis 14.600 Jahren an.

Kleinere Zähne

Nach Angaben der Forscher unterscheiden sich die untersuchten Fragmente eindeutig von Überresten von Wölfen, den wilden Vorfahren des Haushundes. Es sei vor allem die Größe eines Reißzahnes, der die Wissenschafter davon überzeugt, dass sie es bei ihrem Fund mit den Überresten eines Hundes zu tun haben. Er sei deutlich kleiner als Reißzähne von heutigen Wölfen; außerdem unterscheide er sich auch von ebenfalls im Kesslerloch gefundenen prähistorischen Wölfen.

Auch der Kiefer und die übrigen Zähne weisen Unterschiede zu jenen von Wölfen auf. In der Vergangenheit hatten bereits belgische Forscher für sich reklamiert, den ältesten Schädel eines Hundes entdeckt zu haben und das Alter des Fundstücks auf 30.000 Jahre geschätzt. Die Tübinger Forscher sind diesem Fund gegenüber allerdings skeptisch: "Die Zähne sind denen eines Wolfes sehr ähnlich", meint Napierala. 

Rätselhafte Ursprünge

Wann der Mensch erstmals Wölfe gezähmt hat, bleibt allerdings weiterhin Gegenstand von Spekulationen. Die Funde weisen darauf hin, dass die Hunde-Zucht vor rund 14.000 Jahren bereits fortgeschritten gewesen sein muss.

Auch die geografischen Ursprünge des domestizierten Hundes liegen noch im Dunkeln. Genetische Studien weisen darauf hin, dass China die Wiege der Hunde sein könnte. Napierala und Uerpmann sind allerdings nicht davon überzeugt. Die beiden Forscher gehen eher davon aus, dass die Domestizierung in unterschiedliochen Erdteilen unabhängig voneinander geschah.

Weitere Genetische Vergleiche zwischen frühen Hunden und Wölfen könnten dabei helfen, das Rätsel vom Ursprung des Hundes zu lösen. Einen Beitrag dazu dürfte auch der Hund vom Kesslerloch liefern. Die Chancen dafür seien gut, meint Napierala. Der Oberkiefer sei in einem bemerkenswert gutem Zustand. (red/APA)


Abstract
International Journal of Osteoarchaeology: A new palaeolithic dog from central Europe

  • Die beiden Forscher Hannes Napierala und Hans-Peter Uerpmann von der Uni Tübingen verglichen diesen Teil eines Oberkiefers mit jenen von prähistorischen und rezenten Wölfen. Ihr Schluss: Es muss sich bereits um einen Haushund gehandelt haben.
    foto: hannes napierala, universität tübingen

    Die beiden Forscher Hannes Napierala und Hans-Peter Uerpmann von der Uni Tübingen verglichen diesen Teil eines Oberkiefers mit jenen von prähistorischen und rezenten Wölfen. Ihr Schluss: Es muss sich bereits um einen Haushund gehandelt haben.

Share if you care.