Niederländische Armee beginnt mit Abzug

1. August 2010, 11:41
26 Postings

NATO verliert inmitten von Gewaltanstieg wichtigen Verbündeten

Kabul - Mit dem Abzug der niederländischen Armee aus Afghanistan haben die internationalen Truppen am Hindukusch einen wichtigen Verbündeten verloren. Nach ihrem vierjährigen Einsatz in der südlichen Provinz Urusgan begannen die Niederländer am Sonntag mit dem vollständigen Abzug. Der erste Abzug eines großen Kontingents aus Afghanistan seit Beginn des Einsatzes 2001 trifft die NATO inmitten eines Anstiegs der islamistischen Gewalt.

Anlässlich des Abzugs der Niederländer fand in ihrem Hauptstützpunkt im Zentrum von Urusgan eine kleine Zeremonie zur Übergabe des Kommandos statt. "Die niederländischen Truppen haben sich in Urusgan ausgezeichnet," erklärte ISAF-Sprecher Joel Harper. Die NATO-Truppe ISAF werde in Urusgan "ihre derzeitigen Kapazitäten beibehalten". Die Niederländer werden von einer US-geführten Truppe abgelöst, zu der auch Soldaten aus Australien, der Slowakei und Singapur zählen.

Der Abzug der vorwiegend in Urusgan stationierten 1.950 niederländischen Soldaten soll bis September abgeschlossen sein. Ihre Ausrüstung, darunter vier F-16-Kampfjets, soll bis zum Jahresende folgen. Seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes der Niederlande im August 2006 starben dort 24 niederländische Soldaten, darunter der Sohn von Chefkommandeur Peter van Uhm.

"Die Niederlande haben ihren Auftrag erfüllt und für die Sicherheit und den Wiederaufbau Afghanistans gekämpft," erklärte der niederländische Außenminister Maxime Verhagen. In Urusgan, wo die Taliban sehr aktiv sind und vielerorts der Drogenrohstoff Opium angebaut wird, hatte die niederländische Armee einige Fortschritte erzielt. NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen lobte ihren Einsatz Anfang des Jahres als "Maßstab für andere". Die Bitte der NATO an die Niederlande, ihren Einsatz bis 2011 zu verlängern, löste im Februar allerdings einen Streit aus, an dem die Regierung in Den Haag zerbrach.

Nach den Niederlanden will kommendes Jahr Kanada seine 2.800 Soldaten aus Afghanistan abziehen. Die US-Armee will nach der derzeitigen Truppenaufstockung im Juli 2011 mit dem Abzug beginnen, bis Ende 2014 wollen die internationalen Truppen das Kommando in allen Provinzen an die afghanische Armee übergeben. Der Abzug der Niederländer sei der Beginn einer "Kette" von Abzügen, sagte der afghanische Politikexperte Harun Mir.

Die Lage am Hindukusch ist derzeit angespannt. Der Juni 2010 war mit 102 Todesopfern der tödlichste Monat für die ausländischen Truppen. Auch am Wochenende wurden mehrere Anschläge verübt. In der Südprovinz Kandahar wurden nach Behördenangaben am Sonntag bei einem Bombenanschlag sechs Zivilisten getötet und weitere neun Menschen verletzt.

Selbstmordanschlag

Bei einem Selbstmordanschlag im nordafghanischen Kunduz wurden am Samstag nach Angaben der deutschen Bundeswehr mehrere Zivilisten getötet und verletzt. Zwölf Kilometer nördlich von Pol-e-Chomri in der an Kunduz grenzenden Provinz Balch sei eine gemeinsame Patrouille von deutschen und afghanischen Soldaten angegriffen worden. In der Region wurden den Angaben zufolge zwei deutsche Bundeswehr-Soldaten bei einem Verkehrsunfall verletzt.

Das britische Verteidigungsministerium erklärte unterdessen, die Offensive "Tor Schesada" ("Schwarzer Prinz") Hunderter britischer Soldaten gemeinsam mit der afghanischen Armee in der Region Sajedebad in der Südprovinz Helmand laufe "sehr gut". Sie hatte am Freitag begonnen. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Niederlande hatten sich seit dem 1. August 2006 an dem internationalen Afghanistan-Einsatz beteiligt.

Share if you care.