Ljubljana rüstet auf und kauft sich ein Kriegsschiff

25. Juli 2010, 18:48
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Küstenschutzboot in St. Petersburg gebaut - Sticheleien aus Kroatien: "Slowenien wird stärkste Seemacht"

Den Triglav kennt in Slowenien jedes Kind: So heißt der höchste Berg im Land, der sich mit seinem dreiköpfigen Gipfel auch im Staatswappen wieder findet. Was liegt da näher, als dem bislang größten Kriegsmarineschiff solch einen stolzen Namen zu geben? Doch die Freude über das neue Küstenschutzboot "Triglav" , das am Mittwoch in der Almaz-Werft im russischen St. Petersburg vom Stapel gelassen wurde, währte nicht lange.

Prompt kam es zu verbalen Muskelspielen aus Kroatien: Auch wenn die slowenische Kriegsmarine ihre Flotte nun um einhundert Prozent aufgestockt habe, könne man in Kroatien dennoch weiterhin ruhig schlafen, machte sich Jutarnji list lustig. Das "Ungetüm aus Russland mit dem Namen Triglav" sei zwar das bislang größte Marineschiff in der slowenischen Geschichte, doch damit könne man die kroatische Küste nicht bedrohen. Um das auch dem Leser deutlich zu machen, wird die "Triglav" mit dem kroatischen Kriegsschiff "Vukovar" in allen Einzelheiten verglichen. Überhaupt seien sich Experten sicher, dass Slowenien mit der "Triglav" die stärkste Kriegsflotte der Welt gemessen an ihrer Küstenlänge habe, witzelte die kroatische Zeitung. Die slowenische Küste misst 46 Kilometer. Prompt reagierten slowenische Medien: "Die Kroaten halten die ,Triglav‘ zum Narren", titelte die Boulevardzeitung Žurnal24. Die Adriaküste ist in Ljubljana und Zagreb ein heikles Thema. Beide Länder zanken sich seit dem Zerfall von Jugoslawien um den Verlauf der Seegrenze.

Sie ist 35 Millionen Dollar wert, die Finanzierung erfolgte durch die Verschuldung aus dem Verrechnungsverkehr mit Russland. Diese stammt noch aus kommunistischen Zeiten. Die "Triglav" soll auch zur Patrouille und für Rettungszwecke eingesetzt werden.

Der Verteidigungsexperte Klemen Grošelj von der Universität Ljubljana kritisiert den Kauf: Da es sich um eine Verschuldung aus dem Verrechnungsverkehr mit Russland handle, habe Slowenien keine richtige Auswahl gehabt. Das Schiff sei völlig unnötig für die Verteidigung des Landes. Zudem seien die Beschaffungs- aber auch künftigen Instandhaltungskosten zu hoch. Der Wissenschafter plädiert gegenüber dem slowenischen Internetportal siol.net, dass es besser gewesen wäre, zeitgemäße russische Militärausrüstung zu beschaffen, die Nato-Standards entspräche und die man bei Auslandsoperationen hätte einsetzen können.

Zunächst sollen slowenische Marineangehörige angelernt werden. Das Schiff wird erst im November in seinem künftigen Heimathafen Koper erwartet. Die slowenische Marine zählt 60 Mann. (Veronika Wengert aus Zagreb/DER STANDARD, Printausgabe, 26.7.2010)

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