Das Wettrennen um die Autofahrer

25. Juli 2010, 17:47
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Rot oder schwarz fahren? Österreich ist nahezu das einzige europäische Land mit zwei (politischen) Autofahrerorganisationen

Wien - "Wir sind kein roter Verein", konnte man sich vom ehemaligen ARBÖ-Generalsekretär Rudolf Hellar anhören, wenn man Derartiges in einem Artikel schrieb. Was seltsam war, wurde der Verein 1899 doch als "Arbeiter-Radfahrer-Bund Österreichs" gegründet. "Wir sind kein ÖVP-naher-Verein", sagt ÖAMTC-Generalsekretär Hans Peter Halouska. Auch wenn ein Blick auf die Mitglieder des Präsidiums und Vorstandes der Autofahrerorganisation anderes vermuten lässt.

Vertreten sind beide Klubs in fast allen politischen Gremien, in denen es um Verkehrsbelange geht. Sei es im Verkehrsministerium, sei es im Wirtschaftsministerium, wenn über die Spritpreise diskutiert wird. Dass zwei Autofahrerklubs in einem kleinen Land wie Österreich aber zu viel sein könnten, sagt niemand.

Beim ARBÖ wird überhaupt wenig gesagt. Der jetzige Generalsekretär Peter Stuppacher will nicht über Proporz oder einen Vergleich mit dem ÖAMTC sprechen, auch Zahlen dürfen nicht genannt werden. Allzu schwer sind diese aber nicht herauszufinden - stehen sie doch teilweise auf der ARBÖ-Homepage selbst. 94 Prüfzentren gibt es in Österreich, der ÖAMTC kann mit 109 aufwarten. Bei der Mitgliederzahl ist der Unterschied aber erheblich größer: Fast 1,78 Millionen Menschen haben die gelbe Klubkarte, rund 460.000 jene des ARBÖ.

Dass der ARBÖ aber rot ist, kann man nicht verleugnen: Schließlich ist der Präsident gleichzeitig Finanzreferent der steirischen SPÖ. Beim ÖAMTC sei dies anders, beteuert Generalsekretär Halouska. "Hauptamtliche Führungskräfte dürfen keine aktiven politischen Funktionen ausüben." Die aktuelle Liste des Präsidiums und Vorstands könnte man allerdings auch anders interpretieren. Walter Rothensteiner von der RZB kann nun ebenso wenig als SPÖ-affin bezeichnet werden wie Herbert Schimetschek von der Uniqa. Gabriele Zuna-Kratky, Direktorin des Technischen Museums, gilt als ÖVP-Frau im ORF-Stiftungsrat.

Bei ausgeschiedenen Führungsmitgliedern sieht es noch deutlicher aus: Alfred Göbhart sitzt mittlerweile für die ÖVP im Kremser Gemeinderat, Egon Prünster kandidierte 2003 für die ÖVP für den Villacher Gemeinderat. Teilweise war das Halouska nicht bewusst. "Aber wir haben in letzter Zeit verstärkt versucht, für unsere Ehrenämter Leute aus der Wirtschaft zu bekommen. Und die sind nun einmal eher bürgerlich." Und außerdem: "Bei uns sind auch viele prominente Rote Mitglieder." Und bei der letzten Arbeiterkammerwahl hätten 75 Prozent die rote Fraktion gewählt.

Die automobile Doppelgleisigkeit, die es in Europa so eigentlich nur in Großbritannien gibt, will er aber nicht abschaffen. "Natürlich gibt es manchmal Gedankenspiele, ob man nicht Synergien nutzen könnte. Allerdings haben wir uns das einmal angeschaut: Die meisten ARBÖ-Stützpunkte liegen knapp bei unseren. Würde man das zusammenlegen, hätte man leerstehende Immobilien", argumentiert er. Und man könne auch nie wissen, ob eingefleischte rote ARBÖ-Mitglieder überhaupt zum ÖAMTC wechseln würden.

Schlussendlich spiele auch die Mitarbeitermotivation eine Rolle: "Ein wenig Wettbewerb ist gut, das ist auch ein Stachel im Fleisch und Ansporn." (Michael Möseneder, DER STANDARD, Printausgabe, 26.7.2010)

 

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