Erste Öltanker auf der Nordostpassage unterwegs

18. Juli 2010, 14:52
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Kürzester Seeweg zwischen Europa und Fernost - bei weiterer Erwärmung wird die Passage kommerziell interessant

Murmansk/Oslo - Die Nordostpassage als Direktverbindung von Nordeuropa entlang der asiatischen Nordküste bis zur Beringstraße und hinein in den Pazifik war lange Zeit eher hypothetischer Natur. Rein geografisch gesehen ist sie mit etwas über 14.000 Kilometern die kürzeste Seeweg-Variante zwischen den wichtigen Umschlagplätzen Rotterdam und Tokio. Die an Grönland und Kanada vorbeiführende Nordwestpassage ist für Transporte zwischen den selben Häfen knapp 2.000 Kilometer länger. Die heute übliche Route, jene durch den Suez-Kanal, ist sogar rund 21.000 Kilometer lang.

... doch der Klima-Faktor überwog stets die Geografie. Erst in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts konnte erstmals ein Schiff - ein russicher Eisbrecher - die Passage durchfahren, ohne zwischendurch vor Anker gehen zu müssen, um ein längeres Winterlager aufzuschlagen. Auch in den folgenden Jahrzehnten war Schiffsverkehr nur mit Hilfe von Eisbrechern möglich und blieb weiterhin für eine nennenswerte kommerzielle Nutzung zu eingeschränkt. 

Durch die Erderwärmung könnte die Passage aber künftig rentabel werden: Die ersten Öltanker sind bereits unterwegs. Laut dem im norwegischen Kirkenes ansässigen Arktis-Newsportal "BarentsObserver" liefen die beiden russischen Tankschiffe "Warzuga" und "Indiga" vergangene Woche aus dem Hafen Murmansk in Richtung Ostsibirien aus. Die beiden Tanker haben nach russischen Angaben 27.000 Tonnen Treibstoff geladen und werden am 27. Juli im Hafen Pewek auf der Tschuktschen-Halbinsel im äußersten Nordosten Sibiriens erwartet. Die selbst mit Eisbrecherfunktionen ausgestatteten Schiffe werden sicherheitshalber noch von einem zusätzlichen Eisbrecher begleitet. Die russische Reederei Sowkomflot will noch in diesem Sommer weitere Erdöl-Transporte über die Nordostpassage durchführen. (APA/red)

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