Detektiv: Langes Warten gehört zum Beruf

18. Juli 2010, 20:29
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Geduld, unauffälliges Verhalten und ein gutes Gedächtnis zeichnen Berufsdetektive aus - Nach der einjährigen Grundausbildung zum Assistenten kann jeder unabhängig seiner Vorbildung in die Branche einsteigen

 Wohnungen einbrechen, sofort von der Schusswaffe Gebrauch machen, wenn es sein muss, auch einmal ordentlich zuschlagen, und das alles unter ständiger Hochspannung - das Bild, das Film und Fernsehen vom Detektiv zeichnet, hat mit der heimischen Realität wenig zu tun.

Als illegal und Notwehrüberschreitung bezeichnet Karl Stephan Novak vom europäischen Detektiv-Verband (Eurodet) solche filmischen Szenen. "Einen Großteil des Alltags verbringt man mit Warten" , erklärt er. Ereignislose Observation heißt das im Fachjargon. Dennoch sei der Beruf des Detektivs äußerst abwechslungsreich und vielfältig.

Als Berufsdetektiv-Assistent steigt man in die Branche ein. Die Ausbildung dazu dauert ein Jahr und ist berufsbegleitend aufgebaut. In fünf Modulen lernt man neben Rechtskunde, Verbrechenspsychologie und Kriminalsoziologie auch kriminaltaktisches Vorgehen, Observationstechniken und den Umgang mit den verschiedenen technischen Hilfsmitteln. In Wochenend-Workshops wird dann das theoretische Wissen in der Praxis erprobt. Der Einstieg in die Ausbildung ist bei jedem Modul möglich. Abgesehen von der österreichischen Rechtskunde ist die Ausbildung europaweit anerkannt.

Je nach Bildungsgrad kann dann nach beispielsweise einer einjährigen Praxis für Akademiker eine Berufsbefähigungsprüfung abgelegt werden, mit der man die Zulassung als Berufsdetektiv bekommt. "Unsere Teilnehmer sind bunt gemischt. Für die wenigsten ist es aber die erste Berufswahl" , so Novak. Das liege aber vor allem daran, dass man mindestens 18 Jahre alt sein muss.

Frauen sind in diesem Beruf besonders erfolgreich, ergänzt Novak, vor allem, weil die Erwartungshaltung der Öffentlichkeit eine andere sei und sie dadurch am unauffälligsten agieren können. Circa 40 Prozent der Teilnehmer sind weiblich. "Anders sieht es bei der Ausbildung zum Personenschützer aus. Diesen Kurs besucht kaum eine Frau" , ergänzt er. Dabei steige der Bedarf an Personenschützerinnen kontinuierlich.

Reaktionsschnelligkeit, ein gutes Gedächtnis und eine gute Menschenkenntnis sind weiter erfolgsversprechende Voraussetzungen für Berufsdetektive, ergänzt Novak. "Berufsdetektive müssen erkennen, wenn jemand lügt, und auch möglichst unauffällig die richtigen Fragen stellen können."

Neben Berufserfahrung sei auch eine Spezialisierung auf bestimmte Techniken für Berufsdetektive von Vorteil, ergänzt Novak. Derzeit seien knapp 370 Berufsdetektive und 700 Assistenten in Österreich auf Spurensuche, aber kaum jemand mit dem Spezialgebiet Forensik oder Abhörschutz. (Gudrun Ostermann, DER STANDARD, Printausgabe, 17./18.7.2010)

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    Pfeife rauchen, kombinieren und warten: Sherlock Holmes als Inbegriff des professionellen Detektivs.

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