Brüten auf dem Grazer Garagendach

13. Juli 2010, 19:46
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Neues Netzwerk für kreative Einzelkämpfer startet mit kollektivem Brainstorming

Wenn am vergangenen Freitag die Köpfe rauchten auf dem Dach der Grazer Pfauengarten-Garage, gibt es dafür eine einfache Erklärung: 300 Neugierige waren gekommen und überlegten kollektiv beim bisher größten Brainstorming der heimischen Kreativszene. Etwa ob es nicht sinnvoll und vielleicht sogar fruchtbarer wäre, den eigenen guten Ideen ein ebenso gutes Netzwerk zur Seite zu stellen.

Reinhard Willfort, Wirtschaftswissenschafter, Telematiker und Veranstalter des ersten "Brain-twisters" am 9. Juli, geht jedenfalls davon aus, dass kreative Netzwerke nur funktionieren, wenn sie stark sind an ihrer Peripherie. Rund 150.000 Menschen gibt es in Österreich, die in den sogenannten Kreativbranchen wie Design, Mode, Musik, Film oder Werbung tätig sind, aber nur 30.000 von ihnen gehen diesem Beruf in einem zumindest kleinen oder mittelständischen Unternehmen nach. Der großen Mehrheit von 120.000 Einzelunternehmern ist es freilich bewusst - wie es auch eine Studie der Creativ Wirtschaft Austria belegt -, dass ihr Innovationspotenzial zwar hoch, aber ohne entsprechende Kontakte wenig wert ist.

Von unten nach oben

Dieser Argumentation schließt sich das Wirtschaftsministerium mit der Initiative "get.involved" an, die - wie der Name schon verrät - solche Netzwerke nicht verordnen, sondern "von unten nach oben" entstehen lassen will. Das mit der Organisation betraute "Innovation Service Network" von Reinhard Willfort soll dabei fördern und umsetzen, was das Ministerium als gegeben annimmt: Geht es der Kreativwirtschaft gut, geht es der Gesamtwirtschaft gut.

Mit rund 50 Panels für Teilnehmer, die laut Willfort "keine Vortragskonsumenten" sein wollen, starte die Plattform mit Eventcharakter. Auch aus Slowenien und Deutschland reisten Kreative an, um zuallererst auch Grundsatzfragen wie "Ist erfolgreiches Marketing immer eine Frage des Geldes?" zu diskutieren. In einem nächsten Schritt, glaubt Willfort, könnten bis zu 10.000 Interessierte online an einen Tisch gebracht werden (www.neurovation.net), damit sie gemeinsam bereden, was erfolgversprechende Konzepte auszeichnet.

Einige davon werden Ende Oktober prämiert und weiterentwickelt. In einem übernächsten Schritt sollen nämlich Partner aus der Industrie mit ins Netzwerk geholt werden, die über die Erfahrung für die Umsetzung solcher Ideen verfügen. (saum)

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