Zwischen Simmering und Neubau

9. Juli 2010, 17:29
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Quasten, Fransen, Schnüre, Knöpfe, Tressen und Pompons, die hat früher der "Posamentenhändler" verkauft

Heute ein ebenso aussichtsloses wie ausgestorbenes Geschäftsfeld. Im Fall Heinrich Novak ist das wörtlich zu nehmen. Der alte Mann ist in seinem Geschäft am Spittelberg überfallen und getötet worden. Drogensüchtige in Geldnöten werden als Täter vermutet. Nichts Außergewöhnliches also - bis der Privatdetektiv Conrad Orsini von der Tochter des Posamentierers angeheuert wird. Orsini soll ein Auge auf die Erbschaftsangelegenheiten der zerstrittenen Hinterbliebenen haben. Zwar ist das Haus wenig wert, wohl aber der Baugrund mitten in einem Viertel, das gerade saniert wird.

Orsini bekommt es mit Firmen zu tun, die alle "Immo" im Namen tragen, nirgends ein Büro haben und ausländische "Illegale" die Drecksarbeit machen lassen. Dann wird er zusammengeschlagen, trinkt zu viel und findet eine Spur auf einem Grabstein. Das harmonische Duo Georg Koytek und Lizl Stein lässt sich Zeit beim Erzählen und inszeniert eine lustvoll-triste Atmosphäre. Das Klischee von Wien als morbide Stadt mit grantelnden Bewohnern wird überzeugend bedient. Morose Friseurstuben, verrauchte Beiseln, dämmrige Friedhöfe sowieso, nicht zu vergessen die Schlote von Simmering. Tourismuswerbung schaut anders aus. (Ingeborg Sperl, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 10./11.07.2010)

Link:
www.krimiblog.at

Lizl Stein, Georg Koytek, "Der Posamentenhändler" . € 19,90 / 471 Seiten. Leykam, Wien 2010

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