Anleger geben grünes Licht für Fusion

8. Juli 2010, 19:19
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In der Hauptversammlung holte sich Herbert Stepic, Chef der Raiffeisen International, die Zustimmung der Aktionäre zur Fusion mit der RZB

Wien - Für die Fusion der Raiffeisen Zentralbank (RZB) mit der Raiffeisen International (RI) fehlte nur noch das Okay der RI-Anleger - und die haben am Donnerstag in der Hauptversammlung grünes Licht gegeben. Bereits vergangenen Mittwoch haben die Aktionäre der RZB der Fusion gestimmt. Damit wird die vor fünf Jahren erfolgte Trennung der beiden Institute rückgängig gemacht. Vor der Abstimmung gab es kaum Einwände von seiten der Anleger.

Die neu entstehende Raiffeisen Bank International AG soll, wie berichtet, an der Wiener Börse gelistet werden bzw. bleiben. Alle Geschäftsbereiche sollen von den bisherigen Vorständen fortgeführt werden. Die RZB wird als Spitzeninstitut der Raiffeisen-Bankengruppe in Österreich sowie als Steuerungsholding für den gesamten RZB-Konzern fungieren, einschließlich der neuen Raiffeisen Bank International AG.

Wichtige Geschäftsfelder der RZB, vor allem das Geschäft Firmenkunden, soll auf die Cembra Beteiligungs AG abgespalten werden, eine 100-prozentige indirekte Tochtergesellschaft der RZB, die derzeit 72,85 Prozent der RI-Anteile hält. In einem weiteren Schritt soll die Cembra in die RI verschmolzen werden, wodurch das Gesellschaftsvermögen der Cembra - samt dem vorher von der RZB auf die Cembra übertragenen Vermögen - auf die RI übergeht. Die Fusion soll im 3. Quartal 2010 mit der Eintragung im Firmenbuch perfekt gemacht werden.

Die fusionierte Bank soll vom bisherigen RI-Chef Herbert Stepic und von Karl Sevelda als seinem Vize geführt werden - Sevelda ist bisher als RZB-Vorstand für das Firmenkundengeschäft zuständig. RZB-Generaldirektor Walter Rothensteiner betonte, dass es sich bei der Fusion nicht um eine "Notehe" handle, sondern lange und gut überlegt worden sei.

Die "RI alt" sei eine Holding und keine Bank, habe daher keinen direkten Zugang zum Anleihenmarkt gehabt, erklärte RI-Vorstandschef Herbert Stepic einen der Vorteile der neuen Konstruktion, bei der die Raiffeisen Bank International AG eine Bankkonzession erhalten wird.

Auf die Krise reagieren

Auch werde man das Know-how der RZB dadurch besser in Zentral- und Osteuropa nutzen können "Die RI wäre auch alleine stark genug gewesen, auf den ihr vertrauten Märkten zu bestehen", sagte Stepic. "Aber es wäre fahrlässig gewesen, aus der Krise auf den Finanzmärkten keine Lehre zu ziehen. Die Raiffeisenbank International soll für künftige Krisen noch widerstandsfähiger sein."

Bei der Fusion handle es sich um eine Zusammenlegung vieler Bereiche, "wir nehmen eine ganze Management-Ebene heraus", wodurch sich Synergieeffekte ergeben würden, gleichzeitig werde man durch die Zusammenlegung am Markt stärker auftreten können, sagte Stepic. An eine Kapitalerhöhung sei derzeit nicht konkret gedacht, bekräftigten sowohl Stepic als auch Finanzvorstand Martin Grüll auf wiederholte Fragen.

Umstritten war im Vorfeld das Bewertungsverhältnis zwischen RI und den hinzukommenden Teilen der RZB, das mit 30,7:1 festgelegt wurde. Kritisiert wurde, dass das Austauschverhältnis für die Minderheitsaktionäre - rund 27 Prozent der RI-Anteile befinden sich im Streubesitz - nicht fair sei. Anlegervertreter Wilhelm Rasinger hat einen Antrag eingebracht, der die Angemessenheit des Austauschverhältnisses klären soll.

Die RI wird mit 7,579 Mrd. Euro bewertet, das entspricht 49,3 Euro je Aktie, der Wert der Cembra wurde mit 2,014 Mrd. Euro festgelegt. Der Streubesitz sinkt durch die Fusion auf 21,5 Prozent. An der Börse notierte die RI zuletzt mehr als drei Prozent fester bei 32,29 Euro. (APA, bpf, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.7.2010)

 

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