Der Teufel am Horizont

7. Juli 2010, 14:25
posten

Die Waldbühne Bromberg mobilisiert für ihren "Freischütz" auch jede Menge Dorfbewohner. Mit dabei ist auch Justus Neumann. Bestens!

Bromberg - Natur und Theater passen selten so gut zusammen wie im Fall der Waldbühne Bromberg. Dort wurde vor vier Jahren eine Schneise in einen bewaldeten Steilhang geschlagen, der nun alljährlich im Sommer zur Bio-Kulisse für Theater wird. Laiendarsteller aus der Gegend sind die ruhige Kraft im Hintergrund dieses Spiels, das sich in diesem Jahr "Der Freischütz von Bromberg" nennt und eine von René Freund neu aufgemischte Schauspielversion der Carl-Maria-von-Weber-Oper ist.

Regisseur Hanspeter Horner hebt die Unsicherheiten des Ensembles hervor und erreicht damit unerhört raue, anrührend ungeschliffene Momente. Es beginnt mit einem von der Modeschule Wiener Neustadt kostümtechnisch unterstützten Defilee der Bauern, die mit kräftigen Schritten zeigen, was sie haben: Joppen und Pumphosen, aber auch Hüftleiden und O-Beine von der schweren Arbeit.

Und dies ist schon das erste Zeichen, dass sich dieser Bromberger "Freischütz" zu einem Freiheitskampf entwickelt, in dem sich nicht nur ein Jäger an den Teufel verschenkt, sondern sich die Bauern von der Knechtschaft des Grafen (Justus Neumann!) zu befreien gedenken. "Wilhelm Tell"-Zitate sind auszumachen, aber auch einiges von Goethe - oder die abgewandelte Register-Arie aus "Don Giovanni". Viel Mixtur, doch die Sache trägt es.

Im freigeholzten Horizont dieser Naturbühne "fällt die Milch des Mondes aufs Kraut" (2. Akt): Das Abendlicht mischt sich perfekt mit der Kunstbeleuchtung und ergibt etwa bei der Wolfsschlucht-Szene samt Mega-Teufelsschädel große Gruselkunst. Dazu der Effekt von Pappfiguren in der Ferne - und Basler Masken. Das ist toller, ehrlicher Trash, den Althea Bridges ganz postdramatisch moderiert. (Margarete Affenzeller / DER STANDARD, Printausgabe, 6.7.2010)

Bis 17. Juli: "Der Freischütz von Bromberg", 2833 Bromberg, 20.30; Busshuttle ab Schwedenplatz (18.30) bzw. Südtiroler Platz (18.45), Anfrage: 02629/82 34.

  • Papa kontrolliert alles: Justus Neumann blickt (als Napoleon) auf M. Mamedof und A. Mortsch.
    foto: alois rasinger

    Papa kontrolliert alles: Justus Neumann blickt (als Napoleon) auf M. Mamedof und A. Mortsch.

Share if you care.