Schulbrüder bestreiten Missbrauchs-Vorwürf

    6. Juli 2010, 16:51
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    Erste Anzeigen der Klasnic-Kommission - Erzdiözese Wien bestätigt Verdacht - Schulbrüder bestreiten Vorwürfe

    Die Vorwürfe wiegen schwer. 1993 soll ein elfjähriger Junge mehrmals im Internat des römisch-katholischen Ordens der Schulbrüder in Wien-Strebersdorf vergewaltigt worden sein. Mehrere Angehörige und Mitarbeiter des Ordens sollen an den Misshandlungen beteiligt gewesen sein. Diese Vorwürfe, die schon in den 1990er Jahren vor Gericht kamen, veranlassen nun die Kommission zur Aufklärung und Ahndung sexuellen Missbrauchs innerhalb der katholischen Kirche erstmals eine Sachverhaltsdarstellung an die Wiener Staatsanwaltschaft zu übermitteln.

    Im Ö1-Morgenjournal am Dienstag berichtete die Arbeitsgruppe, die von der ehemaligen steirischen Landeshauptfrau Waltraud Klasnic geleitet wird, von besonders schwerwiegenden Verdachtsfällen wegen Kindesmissbrauch. Mittlerweile hat die Erzdiözese die Fälle bestätigt, dass es sich bei den Vorfällen um den Missbrauchsverdacht gegenüber einem Verantwortlichen der Schulbrüder handelt, die betroffenen Schulbrüder wehren sich gegen die Anschuldigungen und bestreiten die Vorwürfe. 

    Schulbrüder bestreiten Vorwürfe

    Erste Ermittlungen wurden 1997 eingestellt, da keine Anhaltspunkte für ein strafbares Verhalten der beschuldigten Lehrer und Erzieher von der Staatsanwaltschaft festgestellt werden konnten. „Die Staatsanwaltschaft hat keine Gründe gefunden", so der Rechtsanwalt der Schulbrüder, Farid Rifaat, bei einer Pressekonferenz am Dienstag. Die Mutter des mutmaßlichen Opfers hat daraufhin eine zivilrechtliche Klage angestrebt, diese wurde jedoch ebenfalls abgewiesen.

    Schon damals haben die Schulbrüder die Vorwürfe als „völlig haltlos" zurückgewiesen und vermutet, dass die Nichtbezahlung des Schulgeldes durch die Mutter sowie rechtliche Schritte zur Eintreibung der Außenständer seinerzeit im Hintergrund der Affäre gestanden seien. Bereits vor einigen Monaten ging bei der Staatsanwaltschaft Wien wegen derselben Vorwürfe eine Anzeige ein, die nach der Einvernahme der Mutter jedoch ebenfalls eingestellt wurde.

    Am Dienstag bestritten die Schulbrüder erneut die Vorwürfe. Eilig wurde zu einer Pressekonferenz gerufen. Man wolle zwar die "restlose Aufklärung" und sei „bereit, für Fehler einzustehen", an einen Missbrauchsfall wollen die Schulbrüder jedoch nicht glauben. Bislang haben die Schulbrüder nur über die Medien von der Sacherverhaltsdarstellung erfahren, die Klasnic-Kommission und die Erzdiözese hatte sich seit Bekanntwerden bislang nicht an den Orden gewandt, kritisiert der Provinzial der Schulbrüder Johann Gassner. Ob es sich bei den Vorwürfen um den bekannten Fall handle, ist bislang noch nicht bestätigt, ein weiterer Verdachtsfall ist den Schulbrüdern jedenfalls nicht bekannt. 

    "Sexuelle Übergriffe kann ich absolut ausschließen"

    Gassner geht davon aus, dass es sich bei den Vorwürfen um jene aus den 90er Jahren handelt. "Wir sind gerne bereit für Fehler einzustehen, die wir begangen haben, ersuchen aber dringend, bei der Wahrheit zu bleiben", verlas Gassner aus einer Stellungnahme. "Sexuelle Übergriffe kann ich absolut ausschließen", so Pater P. von den Schulbrüdern. P., Beschuldigter im Fall aus den 90er Jahren, wurde laut Gassner vom Dienst freigestellt, damit er sich dem Verfahren widmen kann, so eine Anzeige einlangt.

    "Die Staatsanwaltschaft hat damals keine Gründe gefunden", so der Rechtsanwalt der Schulbrüder, Farid Rifaat. Rifaat warnte des Weiteren vor einem "Missbrauch des Missbrauch", die Klasnic-Kommission sei lediglich eine "Sammelstelle". „Die Klasnic-Kommission wird von manchen Personen dazu missbraucht, aufgeklärte Fälle neuerlich aufzuwärmen und hier Gerichte und Staatsanwaltschaft zu beschäftigen", so Rifaat. Er gehe davon aus, dass die Kommission „fast alles" an die Staatsanwaltschaft weiterleite. Der Rechtsanwalt geht auch bei einem neuerlichen Verfahren von einem ähnlichen Urteil aus.

    Die Erzdiözese hat inzwischen die Vorwürfe bestätigt, die sich nun auch offiziell gegen einen Verantwortlichen der Schulbrüder richten. Dieser habe bereits vor Wochen alle seine kirchlichen Funktionen bis zur Klärung der Vorwürfe ruhend gestellt, teilte Generalvikar Franz Schuster mit.

    (seb, derStandard.at, 6.7.2010)

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      "Sexuelle Übergriffe kann ich absolut ausschließen", so Pater P. von den Schulbrüdern. P., Beschuldigter im Fall aus den 90er Jahren, wurde vom Dienst freigestellt, damit er sich dem Verfahren widmen kann, so eine Anzeige einlangt.

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