SETI-Forscher: Zum Verstecken ist es ohnehin zu spät

11. Juli 2010, 16:04
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Seth Shostak schaltet sich in die Diskussion ein, die von Stephen Hawking ausgelöst wurde

London - Irgendwie ist das seit den 60er Jahren laufende SETI-Programm, also die Search for Extraterrestrial Intelligence, ein Überbleibsel aus einer optimistischeren und vielleicht auch naiveren Zeit. In den vergangenen Jahren wurde das Thema Kontaktaufnahme zu möglichen außerirdischen Intelligenzwesen deutlich kontroversieller gesehen. So stieß beispielsweise der russische Astronom Alexander Saitsev mit seinen "Cosmic Calls" - Botschaften, die gezielt in Richtung einiger ausgewählter Sterne abgestrahlt wurden - durchaus auf Kritik.

In eine breitere Debatte mündete dies erstmals im April diesen Jahres, als kein geringerer als Stephen Hawking im Rahmen einer TV-Dokumentation recht pessimistische Ansichten über einen hypothetischen Erstkontakt äußerte (hier der Rückblick auf den Artikel nebst reger Forendiskussion): Er verglich die Rolle der Menschheit mit der der amerikanischen Ureinwohner nach ihrer "Entdeckung" durch Columbus. Den Kontakt mit einer technisch überlegenen Spezies, die nur an den irdischen Ressourcen interessiert sein könnte, bezeichnete Hawking als "riskant". Seitdem köchelt die Debatte vor allem um sämtliche aktiven Versuche zur Kontaktaufnahme immer wieder mal hoch. Zeitweilig wurde sogar bei SETI ein Verbot zur Aussendung von Kontaktbotschaften diskutiert.

Außerirdisches Sitcom-Publikum

Inzwischen hat sich auch SETI-Forscher Seth Shostak mit einem Artikel im britischen Wissenschaftsmagazin "New Scientist" in die Debatte eingeschaltet, in der es immerhin um seinen "Brotjob" gehe. Das Hauptargument des 66-jährigen US-Astronomen: Die Menschheit habe ihre Existenz ohnehin längst preisgegeben, indem sie seit 60 Jahren Rundfunk- und Radarsignale ausstrahle. Auch wenn die Sendeleistung mit dem Quadrat der Entfernung abnehme, seien die Überbleibsel noch keineswegs unentzifferbar bzw. als künstlichen Ursprungs unidentifizierbar. Die frühesten Episoden der legendären 50er-Jahre-Sitcom "I Love Lucy" hätten mittlerweile an die 6.000 Sternsysteme erreicht, pro Tag komme ein weiteres dazu.

Die Unterscheidung zwischen solchen "Lecks" an elektromagnetischer Strahlung und absichtlichen, mit größerer Sendeleistung durchgeführten, Grußbotschaften hält Shostak für illusorisch. Nur eine Gesellschaft auf in etwa unserem technologischen Level könnte gezielte Grußbotschaften empfangen, unabsichtlich Ausgestrahltes aber verpassen - und eine solche Gesellschaft wäre ohnehin nicht entwickelt genug, um uns zu besuchen.

Mit einer Empfangstechnologie, die unserer aktuellen um ein oder zwei Jahrhunderte voraus ist, mache das keinen Unterschied mehr, glaubt Shostak. Eine weiter entwickelte Gesellschaft könnte sogar per Gravitationslinseneffekt unsere Straßenbeleuchtung sehen. Shostaks Resümee: "Hawkings Warnung ist irrelevant." (red)

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    "I Love Lucy", mittlerweile in 6.000 Sternsystemen auf Sendung.

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