Hilfe für BP aus dem Nahen Osten

4. Juli 2010, 17:19
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Investoren erwarten, dass die Konzernspitze abgelöst wird - Supertanker startet Tests

Dubai/Washington - Der wegen der Ölpest im Golf von Mexiko schwer angeschlagene Energiekonzern BP könnte finanzielle Unterstützung aus dem Nahen Osten bekommen. Mehrere Anleger der Region haben BP-Beratern in London Vorschläge für ein strategisches Investment gemacht, berichtet The National aus Abu Dhabi unter Berufung auf informierte Kreise.

Dabei gehe es um den möglichen Kauf von Kern-Bestandteilen des Unternehmens. Zudem könnten sich die Finanzunternehmen auch an etwaigen BP-Kapitalerhöhungen beteiligen.

BP steht seit dem Untergang der Bohrplattform "Deepwater Horizon" am 20. April im Golf von Mexiko enorm unter Druck. Aus dem defekten Bohrloch laufen täglich Millionen Liter Öl ins Meer. US-Regierungsschätzungen zufolge sind bisher 530 Mio. Liter Öl aus dem lecken Bohrloch auf dem Meeresgrund geflossen. Experten zufolge könnte das Desaster BP bis zu 60 Mrd. Dollar kosten. Der Aktienkurs von BP ist in den vergangenen Wochen um rund die Hälfte eingebrochen.

Hoffen auf den Supertanker

An der Unglücksstelle hat indes ein Supertanker mit zweitägigen Tests zum Absaugen des Öls begonnen. Die Arbeiten werden von der US-Küstenwache beobachtet, wie ein Sprecher von TMT Shipping Offshore, dem Besitzer des Supertankers mit dem Namen "A Whale", mitteilte. Das Schiff kann laut Besatzung bis zu 500.000 Barrel (79,4 Mio. Tonnen) Öl-Wasser-Gemisch pro Tag von der Meeresoberfläche absaugen. Der Tanker - mehr als drei Fußballfelder lang und etwa zehn Stockwerke hoch - hat auf jeder Seite zwölf Öffnungen, die das ölige Wasser aufsaugen und es in gereinigtem Zustand wieder abgeben.

In der Zwischenzeit droht aber noch ein anderes Debakel. Einer Studie der US-Agentur für Ozeane und Atmosphäre zufolge wird das Öl mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent auch die beliebten Touristenziele in Florida erreichen und damit die US-Tourismusindustrie massiv treffen. Florida zählt jährlich 80 Millionen Besucher.

Investoren von BP erwarten laut einem Bericht der Financial Times, dass die Konzernspitze abgelöst wird, sobald das Bohrloch gestopft ist. "Wenn das hier vorbei ist, wird es eine umfassende Untersuchung geben, und wir erwarten irgendeine Maßnahme zum Austausch des Führungsteams", zitierte die Zeitung einen britischen Großaktionär BPs.

Das Unternehmen könnte auch zum Übernahmeziel werden und ins Visier von Rivalen wie Exxon Mobile oder Royal Dutch Shell geraten, zitierte das Blatt eine Person, die an der Erarbeitung der BP-Strategie beteiligt ist. Investoren aus Nahost könnten daher auch eine Rettung sein. (Reuters, bpf, DER STANDARD, Printausgabe, 5.7.2010)

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