Wie Pflanzen auf extreme Wetterereignisse reagieren

3. Juli 2010, 17:24
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Forschungsleiter spricht von zum Teil "sehr überraschenden Ergebnissen"

Bayreuth - Wie verhalten sich einzelne Pflanzenarten, wenn sie immer öfter starken Regenfällen oder Dürreperioden ausgesetzt sind? Wie verändern sich Pflanzengemeinschaften oder ganze Ökosysteme unter dem Einfluss klimatischer Bedingungen, die in Europa bisher unbekannt sind? Das untersuchen Forscher um Carl Beierkuhnlein, Inhaber des Lehrstuhls für Biogeografie der Universität Bayreuth und Mitglied des Bayreuther Zentrums für Ökologie und Umweltforschung (BayCEER), im Rahmen des Projekts "EVENT".

"Wissenschaftliche Studien prognostizieren auch für Europa einen spürbaren Klimawandel und damit eine Zunahme extremer Wetterereignisse", erklärt Beierkuhnlein. "Die Untersuchungen, die bereits vor einigen Jahren begonnen haben, zeigen bereits jetzt sehr überraschende Ergebnisse, die wir so nicht erwartet haben."

Massive Eingriffe in die Phänologie

"Einzelne Extremereignisse ziehen Folgen mit sich, die deutlich über die bisher vorstellbaren Auswirkungen hinausgehen", erklärt der Forscher. Diese Extremereignisse greifen massiv in die Phänologie - den Jahresablauf periodisch wiederkehrender Entwicklungserscheinungen - der Pflanzen ein. Ein Beispiel dafür sei eine dreiwöchige Dürre im Vergleich zur langsam kontinuierlichen Erwärmung, auf die sich eine Pflanze eher anpassen könne.

Auch der häufige Wechsel der Bodenverhältnisse zwischen Frost und Tau, hat erhebliche Folgen für die Vegetation. "Das konnten wir am Beispiel von Grünlandflächen wie Mähwiesen und Heiden nachweisen", erklärt der Forscher. "Dabei stellte sich heraus, dass einzelne Pflanzenarten sehr unterschiedlich auf den Bodenfrostwechsel reagieren. Einzelne Populationen brechen nach unterbrochenen Frostphasen regelrecht zusammen." Weitere Untersuchungen sollen die Zusammenhänge genauer klären.

Standort und Artenvielfalt

Ein "überraschendes Ergebnis" habe auch die Untersuchung gleicher Pflanzenarten an unterschiedlichen Standorten geliefert: "Die Pflanzen reagierten auf Extremereignisse sehr unterschiedlich", so Beierkuhnlein. Das lege nahe, dass der Standort für heimische Gräser- und Baumarten große Bedeutung habe. Was die Artenvielfalt betrifft, gibt es zahlreiche Beispiele,  dass Pflanzen eine höhere Widerstandskraft entwickeln, wenn sie mit Pflanzen anderer Arten in Gemeinschaft leben. Wie die Experimente gezeigt haben, ist dies jedoch nicht immer der Fall: Extreme Trockenperioden setzen dem Heidekraut in Mischkulturen mit Gräsern zu. Bei Dürre bilden die Gräser nämlich ein dichtes Wurzelnetzwerk aus, das dem Boden Wasser entzieht. Dem Heidekraut wird das Überleben erschwert - die Blütezeit setzt nach solchen extremen Trockenperioden deutlich später ein. (pte/red)

  • Die künstliche Beregnung einer Versuchsfläche ... Bayreuther Biogeografen simulieren auf einer Versuchsfläche Extremereignisse.
    foto: lehrstuhl für biogeografie, universität bayreuth

    Die künstliche Beregnung einer Versuchsfläche ... Bayreuther Biogeografen simulieren auf einer Versuchsfläche Extremereignisse.

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