Mehr als 10.000 Bewerber bei Medizin-Test

2. Juli 2010, 11:37
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MedUni-Vizerektor: "Es kann nicht jedes Jahr eine Steigerung geben"

Wien  - Die heuer am kommenden Freitag (9. Juli) stattfindenden Aufnahmetests für das Medizin-Studium in Wien, Innsbruck und Graz ziehen immer mehr Bewerber an. Insgesamt sind 10.434 Personen angemeldet, im Vorjahr waren es 8.612. Sie rittern um insgesamt 1.500 Plätze - im Schnitt ergattert also nur jeder Siebente einen Studienplatz.

In Wien und Innsbruck muss heuer außerdem wegen des großen Andrangs eine zweite Veranstaltungshalle angemietet werden. Für den Eignungstest für das Medizinstudium (EMS) muss die Medizin-Uni Wien (MUW) heuer mit dem Austria Center Vienna und der Messe zwei Veranstaltungsorte anmieten. Grund sind die steigenden Anmeldezahlen: Heuer sind in Wien 6.017 Interessenten (für 740 Studienplätze) angemeldet, das sind rund 1.200 mehr als im Vorjahr. "Es kann nicht jedes Jahr so eine Steigerung geben", betonte MUW-Vizerektor Rudolf Mallinger gegenüber der APA.

25 Prozent der Bewerber kommen nicht zum Test

"Unser größtes Problem ist, dass 25 Prozent derjenigen, die sich persönlich angemeldet haben, nicht kommen. Wenn wir die wegrechnen, kämen wir locker mit einem Standort aus", so Mallinger. "Man könnte - und da bleibe ich im Konjunktiv - das so bekämpfen, dass man wie in Deutschland oder der Schweiz eine Gebühr einführt. Die Frage ist nur, ob das politisch gewollt ist."

Zwei verschiedene Verfahren

Die drei Medizin-Unis wickeln ihren Aufnahmetest zwar am selben Tag ab, setzen aber auf zwei unterschiedliche Verfahren: Die Medizin-Unis Wien und Innsbruck verwenden den "Eignungstest für das Medizinstudium" (EMS), der Studien-Fähigkeiten wie medizinisch-naturwissenschaftliches Grundverständnis, räumliches Vorstellungsvermögen, Umgang mit Zahlen etc. abfragt. Die Medizin-Uni Graz setzt dagegen auf einen Wissenstest in den Grundlagenfächern Biologie, Chemie, Physik und Mathematik sowie auf Textverständnis.

Erstmals wird soziale Kompetenz getestet

An allen drei Medizin-Unis kommen heuer erstmals Verfahren zur Anwendung, die die sozialen Kompetenzen der Studienwerber erfassen sollen. Wien und Innsbruck setzen dabei auf ein freiwilliges und anonymes Self Assessment vor dem EMS, bei dem sich die Studieninteressierten selbst einschätzen können und Rückmeldungen erhalten. Das Assessment besteht aus 90 Fragen, die das Arbeitsverhalten (z.B. Selbstdisziplin, Anstrengungsbereitschaft, Selbstmanagement), das Umgehen mit Belastungssituationen sowie das Sozialverhalten und vorhandene Ressourcen (Kontaktfreudigkeit, soziale Kompetenz und Unterstützung) erfassen. Als Ergebnis erhalten die Studenten sowohl ihre Einstufung auf einer absoluten Skala sowie jene im Vergleich zu getesteten Medizin-Studenten.

"Wir erwarten uns von diesem Verfahren eine bessere Selbsteinschätzung bei Merkmalen, die für das Studium wichtig sind", so Mallinger. Beim ersten Anlauf habe das gut funktioniert: Statt der erwarteten rund 30 Prozent hätten 47 Prozent aller zum EMS Angemeldeten teilgenommen. Die Teilnehmer hätten angegeben, Neues über sich erfahren zu haben. Allerdings sei der Rücklauf bei den Evaluationsfragebögen noch gering gewesen, nach dem EMS würde deshalb erneut danach gefragt. Künftig will die MUW das Self Assessment in eine Internetplattform mit einem noch größeren Angebot einbetten, das etwa auch ein Modul für die Vorbereitung auf den EMS beinhaltet.

"Soziale Kompetenz nicht angeboren"

Dass man anders als in Graz nicht beim Aufnahmetest selbst einen Sozialteil einbaue, erklärt Mallinger mit mehreren Faktoren. "Soziale Kompetenzen sind wichtig für den Beruf. Die Frage ist nur, inwieweit diese Kompetenzen bei 18-Jährigen vorausgesetzt werden können - das ist ja nichts genetisch Angeborenes, sie werden auch in der Schule und daheim nicht vermittelt. Deshalb kann ich sie auch nicht voraussetzen, sondern es ist auch Aufgabe der Uni, sie zu vermitteln." Auch bei der Testung gebe es Probleme: "Wenn die Fragen leicht sind, sind sie einfach zu erraten. Wenn es testrelevant ist, werden deshalb die Leute, die einen Platz wollen, die erwünschten Antworten geben. Bei komplizierten Aufgaben sind sich auch Experten über die richtige Antwort oft nicht mehr einig." (APA)

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    Schon beim Aufnahmetest im Jahr 2007 war das Austria Center so voll gewesen, dass die Aufsichtspersonen die Bewerber mit einem Fernglas beobachten mussten.

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    Zahl der Bewerber bei Medizin-Aufnahmetests von 2006 bis 2010.

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