Lange Schonfrist für Banken

29. Juni 2010, 17:48
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Bis 2022 könnten Institute Zeit haben, die Vorschriften beim Eigenhandel umzusetzen

Washington/Wien - Die US-Finanzmarktreform wurde als umfassendste und härteste Aufsichtsreform seit den 1930er-Jahren abgefeiert. Wie sich jetzt herausstellt, haben Banken bei dem heiklen Punkt des Eigenhandels und dem (ohnehin aufgeweichten) Verbot von Investitionen in Hedge-Fonds und Beteiligungsgesellschaften aber eine lange Übergangszeit.

Bis 2022 könnten Institute wie Citigroup oder Goldman Sachs nämlich Zeit haben, die so genannte "Volcker-Regel" umzusetzen. Denn laut Bloomberg sieht die Reform-Gesetzesvorlage vor, dass die Umsetzung für den Eigenhandel erst 15 Monate bis zu zwei Jahren nach der Verabschiedung des Gesetzes in Kraft tritt. Dann hätten Institute noch eine Übergangsfrist von zwei Jahren - die auch auf drei gestreckt werden kann -, um die neuen Vorschriften zu erfüllen. Die Banken können zusätzlich fünf Jahre herausschlagen, um eine Lösung für illiquide Fonds, etwa im Private-Equity oder Immobereich, zu finden.

Großes Entgegenkommen

Experten bezeichnen die Reform daher schon als großes Entgegenkommen für die Wall Street. Von den Neuerungen würden Großbanken nämlich empfindlich getroffen, müssten sie diese ad hoc umsetzen. Goldman hatte laut eigenen Angaben im ersten Quartal rund 29 Mrd. Dollar (23 Mrd. Euro) im Eigenhandel sowie in Hedge-Fonds und Private-Equity-Beteiligungen stecken, die Bank of America gut 14 Mrd. Dollar, Morgan Stanley etwa 6,4 und JP Morgan knapp 3,8 Mrd. Dollar.

Bei Goldman Sachs trug der Eigenhandel im Vorjahr rund zehn Prozent zu den Erträge von 45,2 Mrd. Dollar bei.

Künftig dürfen die Institute nur noch bis zu drei Prozent ihres Kernkapitals in solche Aktivitäten stecken. Das Geld darf drei Prozent des Kapitals des jeweiligen Fonds nicht überschreiten. (bpf, DER STANDARD, Printausgabe, 30.6.2010)

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