Gesampelte Wut

25. Juni 2010, 16:18
10 Postings

Das Hip-Hop-Duo gastiert am Samstag im Sakog. Zu erwarten sind verarbeitete Soulklassiker und Agitprop - Mit Video

Hip Hop und Rap entstand in den 1970ern, einen ersten Boom gab es ein Jahrzehnt später, als vor allem in den Ghettos der US-Metropolen Crack, Gewalt und Bandenkriege Opfer forderten.

Die Black Panther Party war damals bereits vom FBI zerschlagen worden, oppositionelle Stimmen gegen die herrschende Hysterie und das Chaos in den schwarzen Vierteln besannen sich auf nationalistische "Antworten" in Anlehnung an Malcolm X und die Nation Of Islam. Musikalische Mentoren dieser Bewegung waren Public Enemy oder die Hohepriester des Afrozentrismus X-Clan.

In dieser Tradition steht das Duo Dead Prez (also: Tote Präsidenten), das wie ihre Vorbilder aus New York kommt. Clayton Garvin alias stic.man ist schon als Teenager vom "Edutainment" der Boogie Down Productions begeistert, dann lässt er sich vom "babylonischen" Lebensstil übermannen und beginnt zu trinken. Erst eine schwere Gicht bringt ihn zur Umkehr. Und die Bekanntschaft mit seinem heutigen Dead-Prez-Mitstreiter Mutulu Ugbala, der sich jetzt M-1 nennt.

Geboren auf Jamaika, verschlägt es ihn recht früh nach Brooklyn, wo er nicht nur alltäglichen Rassismus, sondern auch Alex Haleys Biografie von Malcolm X kennen lernt. Sowie stic.man und Lord Jamar von Brand Nubian, der einen Plattendeal bei Loud Records vermittelt. Dead Prez versteht Rap als Agitprop-Kunst und Underground-Phänomen - im Unterschied zum dominanten Mainstream, dem das Genre zur Verklärung von Gangsta-Lifestyle, Sozialdarwinismus und Materialismus dient.

Dass es noch andere Themen gibt, zeigt Dead Prez - zuletzt mit Turn Off the Radio Vol. 4: Revolutionary But Gangsta Grillz, einer Zusammenarbeit mit DJ Drama. Von den politischen Inhalten samt Verbalradikalismen der WASP-Kultur bleibt hierzulande wegen der Sprachbarriere meist nur Pose und Slogan übrig.

Und natürlich auch die Musik: Da sampeln die Dead Prez schon mal den Electric Light Orchestra-Hadern Telephone (auf Behind Enemy Lines), Pink Floyds Stück Money (auf Stimulus Plan) sowie schwarze Soul-Klassiker. (dog, DER STANDARD/Printausgabe, 26./27.06.2010)

Trimmelkam, Sakog, 22.00 06277/ 201 01
www.sakog.net

  • Zornige Statemens und Musik, die auch Electric-Light-Orchestra-Hadern 
verarbeitet: Duo "Dead Prez".
    foto: sakog

    Zornige Statemens und Musik, die auch Electric-Light-Orchestra-Hadern verarbeitet: Duo "Dead Prez".

Share if you care.