Russischer Ölriese fordert Shell und BP

22. April 2003, 18:48
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Erdölkonzerne Sibneft und Yukos fusionieren zur weltweiten Nummer vier - Der neue Player fördert genauso viel Öl wie ganz Kuwait - mit Infografik

Moskau - Die beiden führenden russischen Ölgesellschaften Yukos und Sibneft wollen sich zum weltweit viertgrößten Ölproduzenten zusammenschließen. Mit einer Produktion von 2,3 Millionen Fass (je 159 Liter) holt der neue Ölriese genauso viel Öl aus dem Boden wie Kuwait. Gemessen an den Ölreserven ist YukosSibneft gar die Nummer Eins weltweit, die Reserven entsprechen den Vorräten von Großbritannien und Norwegen in der Nordsee zusammen. In der Hitparade der Multis liegt das neue Unternehmen vor dem russischen Konkurrenten Lukoil und ExxonMobil (USA).

Ziel erreicht

Mit der Fusion hat Yukos sein Ziel erreicht, Nummer Eins in Russland zu werden und damit den langjährigen Rivalen Lukoil nachhaltig zu überholen. Mit 2,2 Mio. Fass produziert der neugeschaffene Multi rund ein Viertel der gesamten russischen Ölförderung. Grund für den unerwarteten Deal: Ohne die Reserven von Sibneft wäre Yukos in einigen Jahren wieder von Lukoil überholt worden, meinen Experten. Yukos ist bisher der zweit- und Sibneft der fünftgrößte russische Ölkonzern. Das neue Unternehmen hat in Russland, Weißrussland und Litauen 2500 Tankstellen und zehn Raffinerien.

Chef des neuen Konzerns soll der Yukos-Vorstandsvorsitzende und größte Anteilseigner Michail Chodorkowski - mit einem Vermögen von rund acht Mrd. Dollar der reichste Mann Russlands - werden. Im Rahmen der Fusion verkaufen die Sibneft-Aktionäre laut Angaben aus Moskau 20 Prozent ihrer Anteile für drei Milliarden Dollar in bar. Die restlichen Aktien sollen in Papiere des fusionierten Konzerns getauscht werden.

Konsolidierung

Der Branchenelefant muss sich keinesfalls hinter den westlichen Konzernen verstecken. Die Infrastruktur der beiden Unternehmen sei am neuesten Stand, sie würden genauso gut gemanagt wie vergleichbare andere Ölmultis. Beide Unternehmen würden sich sehr gut ergänzen, heißt es beim internationalen Energiebroker PVM. Einziger Wermutstropfen: Beide Unternehmen fördern schwerpunktmäßig in Russland, anders als Lukoil sind sie weltweit kaum präsent. Für eine Internationalisierung der Förderung wäre wohl eine westliche Firmen ein besserer Partner gewesen, meinen die PVM-Experten. Dem sei aber der erklärte Wille der russischen Regierung entgegengestanden, neben Lukoil einen zweiten starken Player zu schaffen, der mit den anderen Multis mithalten kann. Der Kreml habe eine rein russischen Lösung vorgezogen. Mit der Fusion ist die Konsolidierung der russischen Ölbranche einen entscheidenden Schritt weiter gekommen.

Das neue Unternehmen will gemeinsam im Osten Sibiriens und im Fernen Osten Russlands nach neuen Ölvorkommen suchen. Geplant sei, die Produktion bis 2005 jedes Jahr um einen zweistelligen Prozentsatz anzuheben. Handikap dabei: Es gebe nicht genügend Transportkapazitäten, sprich Pipelines, um das gefördert Öl auf die Märkt bringen zu können, so PVM. Darum habe sich Yukos - ebenso wie Lukoil - im Kreml für den Bau eines großen Exportterminals in Murmansk inklusive Leitungsverbindungen stark gemacht. Schwerpunktmäßig werde die USA beliefert werden. Das Murmansk-Projekt koste bis zu fünf Mrd. Dollar. Zugleich werde damit werde das staatliche Transportmonopol für Rohöl ausgehöhlt, erstmal dürfe eine Privatfirma eigene Leitungen bauen.

Rot ist der Osten

Neben dem US-Markt wollen beide russischen Firmen auch verstärkt den Öldurst der Volksrepublik China stillen. Dazu wird eine rund 2400 Kilometer lange Leitung von Ostsibirien ins Reich der Mitte gelegt. Das Projekt namens Daqink wird laut Insidern zwischen 1,7 und zwei Mrd. Dollar kosten. Besonderer Charme für Yukos: Eine neue Exportroute für das Öl aus den westsibirischen Feldern, Verträge zur Belieferung Chinas seien schon fixiert worden. Russland ist nach Saudiarabien das zweitgrößte Ölförderland der Welt, das Land besitzt die größten Ölreserven außerhalb der Opec und hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend zum Herausforderer der traditionellen Ölmächte am Golf gemausert, auch wenn Russland mit der Opec eine gute Gesprächsbasis hat. (Clemens Rosenkranz, DER STANDARD, Printausgabe 23.4.2003)

  • Russlands Öl-Industrie hat nach der Fusion den globalen Markt fest im Blick.
    montage: derstandard.at

    Russlands Öl-Industrie hat nach der Fusion den globalen Markt fest im Blick.

  • Die größten Erdölproduzenten - Grafik zum Vergrößern anklicken.
    grafik: derstandard

    Die größten Erdölproduzenten - Grafik zum Vergrößern anklicken.

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