Probleme bei Bildung einheitlicher Armee in Bosnien-Herzegowina

21. April 2003, 12:11
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Ex-General Divjak übt scharf Kritik an moslemisch-kroatische Militärs

Sarajewo - Der Ministerrat Bosnien-Herzegowinas arbeitet intensiv an der Zusammenführung der beiden Armeen des Nachkriegslandes unter ein Kommando bis zum Jahresende. Entsprechende Pläne sollen bis Mai vorliegen, kündigte die bosnische Ministerin für Außenhandel, Mila Gadzic, am Wochenende an. Ein einheitliches Verteidigungsministerium, dem die Verbände beider Gebietseinheiten (Bosniakisch-kroatische Föderation und Republika Srpska) unterstellt sind, gilt als Voraussetzung für die Aufnahme Bosnien-Herzegowinas in das NATO-Programm "Partnerschaft für Frieden". Die Regierung in Sarajewo strebt den Beitritt bis zum 1. Jänner 2004 an.

Widerstand

In der Führung der Republika Srpska formiert sich aber offenbar Widerstand gegen die vom internationalen Bosnien-Beauftragten Paddy Ashdown Anfang dieses Monats angeordnete Armeereform. Präsident Dragan Cavic betonte, dass die Zusammenlegung der beiden Armeen zum Jahresende "nicht zu erreichen" sei. Der Verteidigungsminister der Föderation, Miroslav Nikolic, warf der Regierung in Banja Luka daraufhin vor, die notwendige Schaffung eines gesamtstaatlichen Verteidigungsministeriums bewusst zu verhindern.

Zusammenführung der früheren bosnischen Kriegsparteien behindert

Jovan Divjak, der zu Beginn des Bosnien-Krieges (1992-1995) als einziger serbischer General in der neu geschaffenen bosnisch-moslemischen Armee einen Führungsposten erhalten hatte, hielt im Gespräch mit der APA auch der moslemisch-kroatischen Militärführung vor, die Zusammenführung der früheren bosnischen Kriegsparteien unter einem Kommando zu behindern.

"Beide Seiten sind noch immer nicht bereit, ihren Teil zur Bildung einer Staatsarmee zu leisten", sagte der gebürtige Belgrader, der 1997 aus Protest gegen den Ausschluss serbischer Offiziere aus der moslemisch-kroatischen Militärhierarchie all seine im Krieg erworbenen Auszeichnungen zurückgab.

"Zusammenarbeit unterwandern"

Der Militärführung in Sarajewo warf der mit dem Orden der französischen Ehrenlegion ausgezeichnete Ex-General vor, aus Angst vor Machtverlust eine Zusammenarbeit mit den bosnisch-serbischen Stellen zu unterwandern. "Weil die Moslems den Großteil der Bevölkerung stellen, glauben sie, nicht auf hohe Posten in der neuen Gesamtarmee verzichten zu müssen. Das aber ist falsch, weil es das Denken in nationalistischen Kategorien fortsetzt. Die Bildung einer wirklichen multinationalen Armee wird damit verhindert", betonte Divjak gegenüber der APA.

Die Zerschlagung der im Dayton-Friedensvertrag von Dezember 1995 verankerten Entitäts-Armeen hatte Ashdown am 2. April per Dekret angeordnet. Der Brite zog damit die Konsequenzen aus der sog. Orao-Affäre. Durch die Lieferung von Ersatzteilen und die Entsendung von Ausbildern zur Wartung veralteter sowjetischer MiG-Kampfflieger in den Irak hatte die bosnisch-serbische Firma Orao (Adler) unter Mitwissen von Regierungsstellen in Banja Luka gegen das UNO-Embargo und Bestimmungen des Dayton-Vertrages verstoßen.

Rücktritte

Mehrere bosnisch-serbische Minister und Militärs mussten deshalb bereits im vergangenen Herbst zurücktreten. Anfang April übernahm auch Mirko Sarovic, serbisches Mitglied im bosnischen Dreierpräsidium, die politische Verantwortung für die zu seiner Amtszeit als Oberbefehlshaber in Banja Luka zwischen 2000 und 2002 unterzeichneten Irak-Verträge und trat zurück.

Zeitungsberichten in Sarajewo zufolge sollen aber auch Firmen aus der Föderaton in illegale Waffendeals mit dem Irak verwickelt gewesen sein. Der Verteidigungsminister der Föderation, Miroslav Nikolic, erklärte Anfang der Woche in einem Interview mit der Tageszeitung "Dnevni List", dass entsprechenden Hinweisen, die er von der US-Botschaft in Sarajewo erhalten habe, nachgegangen werde. (APA)

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