Stadt in Colorado verbannt Fahrräder

22. Juni 2010, 23:20
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Ungewöhnliche Maßnahme in Black Hawk: Fahrradfahren wird mit 68 Dollar Strafe geahndet - Die Cyclisten befürchten, das Beispiel könnte Schule machen

Fahrradfahren ist in den USA nicht unbedingt ein Massenphänomen, doch zumindest der Bundesstaat Colorado war bisher bekannt als Zentrum des Radsports im Lande. Ausgerechnet dort ist in der kleinen ehemailgen Goldgräberstadt Black Hawk seit Beginn dieses Monats ein landesweit einmaliges Gesetz in Kraft, welches das Fahrradfahren auf vielen Straßen der Stadt verbietet und mit einer Strafe in Höhe von 68 Dollar (rund 55 Euro) belegt. Acht gesetzesbrechende Radfahrer hätten seit Inkrafttreten des Gesetzes am 5. Juni bereits ein "Knöllchen" kassiert, sagte Michael Copp, der Gemeindedirektor von Black Hawk gegenüber dem britischen "Guardian".

Zockermetropole Black Hawk: 118 Einwohner und 16 Kasinos

Obwohl von keinem Unfall berichtet werden kann, an dem ein Fahrradfahrer beteiligt war oder gar Schuld hatte, wurde das Gesetz aus "Gesundheits- und Sicherheitsgründen" erlassen, sagte Copp. In der Gemeinde, die 1859 im Zuge des Goldrausches gegründet wurde und einen historischen Stadtkern besitzt, leben laut Zensus vom Jahr 2000 offiziell nur 118 Menschen, was sie zur kleinsten Stadt in Colorado macht. Um nicht wie viele andere Städte zur Geisterstadt zu werden, verschrieb sich Black Hawk allerdings Anfang der Neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts komplett dem Glücksspiel. 

Heute zählt die Stadt nicht weniger als 16 Kasinos - und damit mehr als die Zockermetropole Atlantic City im Bundesstaat New Jersey. Das führte natürlich zu einem gewissen Verkehrsaufkommen auf den alten Straßen der Stadt, die im 19. Jahrhundert eher für Pferdefuhrwerke denn für Busladungen von Glücksspielern gebaut worden waren. Der Verkehr wurde zudem noch dichter, nachdem das maximale Einsatzlimit in den Kasinos jüngst per Gesetz von 5 auf 100 Dollar erhöht wurde.

Die Stadt strengte daraufhin eine Untersuchung zum Verkehrsaufkommen an, die zu dem originellem Schluss kam, dass Fahrräder und andere unmotorisierte Fahrzeuge von bestimmten vielbefahreren Straßen verbannt gehören, da sie "mit dem normalen und sicheren Fahrzeugverkehr inkompatibel seien", wie es im dazugehörigen Gesetzestext heißt. Die Verordnung sei "notwendig für die Erhaltung der Gesundheit und Sicherheit und für den Schutz des öffentlichen Komforts und Wohlbefindens". Selbst wer als Radfahrer die Stadt nur auf dem Highway 279 durchqueren will, muss seinen Drahtesel nun auf einem 400 Meter langen Teilstück der Hauptstraße schieben.

Aufruf zur Demonstration in Denver

Die Radfahrer-Lobby schäumt und bezeichnet das Gesetz als illegal. Dan Grunig von der Organisation Bicycle Colorado befürchtet, dass dem Gesetz von Black Hawk ähnliche Verordnungen in anderen amerikanischen Städten folgen werden. "Wir denken nicht, dass es legal ist und wollen sicherstellen, dass es geändert wird, bevor sich das Gesetz weiter verbreitet", sagte er dem "Guardian". Die Organisation, die laut eigener Aussage 7.000 Mitglieder im gesamten Bundesstaat hat, ruft deshalb auf ihrer Website zu einer Demonstration vor dem Sitz der Regierung des Staates Colorado in Denver am 29. Juni auf. "Die Welt schaut auf uns und wir müssen ihnen zeigen, dass die Einwohner Colorados nicht für Fahrradverbote stehen!", heißt es im Aufruf.

Gemeindechef Copp sieht dem entspannt entgegen. "Der Stadtrat hat nicht die Absicht, das Verbot rückgängig zu machen", sagt er. Er glaube vielmehr zu wissen, dass die Entscheidung der Stadt "das Beste für die Bürger in Black Hawk, die Kasinos und ihre Gönner ist." Die Gönner - also die Glücksspieler - kommen wohl auch eher selten mit dem Fahrrad in die Stadt.

Etwas harscher fällt die Kritik im Online-Forum von "Cycling Weekly" aus, das ebenfalls über die Entscheidung berichtet hatte. Ein User namens "Ken Evans" schreibt da: "Die Straßen sind also zu schmal, um sowohl Autos als auch Fahrrädern ausreichend Platz zu bieten. Deshalb müssen die Fahrräder verschwinden, weil sie ja so viel breiter sind als Autos". Worauf er fragt: "Was bitte rauchen die zum Frühstück?" (anba, derStandard.at, 22.6.2010)

  • Der Ortseingang von Black Hawk mit Verbotsschild für Fahrradfahrer. Nach einem massiven Anstieg des Verkehrsaufkommens wurden die Drahtesel von den meisten Straßen der Stadt verbannt.
    foto: bicycle colorado

    Der Ortseingang von Black Hawk mit Verbotsschild für Fahrradfahrer. Nach einem massiven Anstieg des Verkehrsaufkommens wurden die Drahtesel von den meisten Straßen der Stadt verbannt.

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