Federer wankte, Schiavone fiel

21. Juni 2010, 17:36
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Schweizer nach Fünf-Satz-Fight doch noch in Runde zwei. "Das war eine große Bedrohung heute" - Cilic und Paris-Siegerin schon out

London - Der König von Wimbledon ist am Montag beinahe gleich zum Auftakt vom Thron gestürzt worden: Der sechsfache Champion und Titelverteidiger Roger Federer stand vor einer sensationellen Niederlage gegen den Kolumbianer Alejandro Falla, der bei 5:4 im vierten Satz schon auf den Sieg servierte. Doch Federer setzte sich letztlich doch noch mit 5:7,4:6,6:4,7:6,6:0 durch und darf damit weiter vom siebenten Titel in Wimbledon träumen. Auch Nikolaj Dawydenko lag bereits 0:2-Sätze zurück, schaffte aber wie Federer das Bravour-Stück zum 3:6,6:7(3),7:6(3),7:5,9:7 über den Südafrikaner Kevin Anderson.

"Ich hatte heute Glück", gestand Federer später in der Pressekonferenz. "Ich glaube, ich muss realistisch sein: Das war eine große Bedrohung heute", sagte der 28-jährige Schweizer, dessen Landsleute nur knapp nach seinem Erstrunden-Erfolg bei der Fußball-WM eine 0:1-Niederlage gegen Chile einstecken mussten. Schon viele Jahre nicht, "wahrscheinlich überhaupt nie", sei es ihm passiert, dass er einen 0:2-Satzrückstand in einer ersten Runde aufgeholt habe. "Es war ein hartes Match, er hat wirklich gut gespielt."

Schon im dritten Satz hätte es gegen Federer laufen können, als er sich bei 4:4 und eigenem Aufschlag einem 0:40-Rückstand stellen musste. Nachdem er den dritten Satz noch gewonnen und auch im vierten ein 3:5 in ein 6:5 verwandelt hatte, war das 7:1 im Tiebreak dann die Entscheidung. Satz fünf war dann eine schnelle Angelegenheit für den 16-fachen Major-Sieger. Federer vermied damit die erste Erstrundenniederlage bei einem Majorturnier seit den French Open 2003.

Falla war trotz der Niederlage froh. "Ich bin glücklich, weil ich ein großartiges Match gespielt habe", sagte Falla, der in den vier vorangegangenen Spielen gegen Federer immer ohne Satzverlust geblieben und fälschlicherweise als "Kanonenfutter" für Federer bezeichnet worden war. Im fünften Satz sei er nervös geworden, auch weil er über die vergebenen Chancen nachgedacht hatte.

Ähnlich mag auch der Südafrikaner Kevin Anderson gedacht haben. Nach über vier Stunden ging er als programmierter Verlierer vom Platz, doch zuvor hatte er den als Nummer 7 gesetzten Leitgeb-Schützling Nikolaj Dawydenko an den Rand einer Niederlage gebracht. Der Russe lag ebenfalls 0:2-Sätze zurück, ehe er sich mit 3:6,6:7(3),7:6(3),7:5,9:7 noch knapper durchsetzte als Federer. Dawydenko, erst vor kurzem nach längerer Pause wegen einer Handgelenksverletzung zurückgekehrt, hatte zuvor in acht Versuchen nur drei Mal die erste Wimbledon-Runde überstanden.

Überraschend kam das Ausscheiden des als Nummer 11 gesetzten Kroaten Marin Cilic, der sich gegen den Deutschen Florian Mayer zwar sukzessive steigerte, den "turnaround" im Gegensatz zu Federer und Dawydenko aber nicht mehr schaffte - Mayer gewann 6:2,6:4,7:6(1). Vorjahresfinalist Andy Roddick gab sich gegen seinen US-Landsmann Rajeev Ram beim 6:3,6:2,6:2 hingegen keine Blöße.

Bei den Damen kam nicht ganz unerwartet gleich zum Auftakt das Aus für die French-Open-Siegerin: Die Russin Wera Duschewina rang die italienische Sensations-Siegerin von Roland Garros und Nummer 5 in Wimbledon, Francesca Schiavone, mit 6:7(0),7:5,6:1 nieder. Kim Clijsters (BEL-8) gab zum Auftakt hingegen nur drei Games ab. (APA)

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    Federer kann durchatmen.

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