Ein Favorit und eine Morddrohung

21. Juni 2010, 16:46
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Messi jagt ersten Turniertreffer, Griechenland das Achtelfinal-Ticket - Nigeria geht mit zwei Niederlagen und einer Mord­drohung ins Spiel gegen Südkorea

Polokwane - Am Aufstieg Argentiniens ins Achtelfinale der Fußball-WM in Südafrika besteht nur noch mathematisch ein kleiner Zweifel. Deshalb könnte Teamchef Diego Maradona fürs dritte Match der Gruppe B am Dienstag um 20.30 Uhr in Polokwane gegen Griechenland einige Änderungen vornehmen. Angesichts von offensiven Ersatzleuten wie Diego Milito, Champions-League-Sieger mit Inter Mailand, oder Sergio Aguero, Europa-League-Triumphator mit Atletico Madrid, bedeutet dies aber für die Griechen keinerlei Entwarnung - die Bezeichnung "B-Elf" ist in diesem Fall relativ.

"Argentinien ist eine Mannschaft mit außergewöhnlicher Qualität", meinte Griechenlands-Teamchef Otto Rahhagel, der nach dem ersten WM-Sieg der griechischen Geschichte (2:1 gegen Nigeria) vom Achtelfinale träumen darf. "Sie sind klar besser als wir. Aber wir sind froh, dass wir noch eine Chance haben, uns für das Achtelfinale zu qualifizieren und werden sehen, was wir ausrichten können. Aber es wird sehr schwer", betonte der Deutsche, für den es der letzte Auftritt als griechischer Teamchef sein könnte.

Auch Argentiniens Lionel Messi wird topmotiviert ins Spiel gehen, möglicherweise wird er diesmal sogar als Kapitän die Jagd nach seinem ersten Turniertreffer fortsetzen. Bisher hatte der Starspieler bei zahlreichen guten Möglichkeiten kein Glück im Abschluss gehabt. Die Option, auch Messi eine Pause zu gönnen, erwägt Maradona nicht: "Er ist der beste Spieler der Welt, es wäre eine Sünde, ihn den Menschen vorzuenthalten."

Maradona wünscht seinem Nachfolger mit der Nummer 10 den ersten Treffer. "Ich erinnere mich, als ich das Tor erzielt habe, war das so eine Erleichterung. Vielleicht kann Messi dieselbe Erfahrung machen", sagte Maradona, der 1994 bei der WM in den USA gegen Griechenland sein letztes von acht WM-Toren erzielt hatte. Wenig später war Maradona wegen eines Dopingvergehens vom Turnier ausgeschlossen worden.

Auch defensiv wird sich Maradona einiges einfallen lassen müssen, denn Jonas Gutierrez ist gesperrt und Gabriel Heinze sowie der etatmäßige Kapitän Javier Mascherano würden im Falle einer weiteren Gelben Karte im Achtelfinale zuschauen müssen. Dieses würde Argentinien nur dann verpassen, sollte es gegen Griechenland eine hohe Niederlage und gleichzeitig einen hohen Erfolg Südkoreas gegen Nigeria geben.

Maradonas Schwiegersohn Aguero könnte gegen die Griechen zum ersten WM-Einsatz von Beginn an kommen. "Griechenland wird mit aller Kraft auf Sieg spielen. Aber das werden auch wir machen, denn wir wollen weiter so spielen wie bisher und Gruppensieger werden. Wir wollen bis zum Schluss im Turnier bleiben", erklärte Aguero, der den Platz von Gonzalo Higuain, Dreifach-Torschütze gegen Südkorea, einnehmen könnte.

Nigerias winzige Hoffnugn

 

Trotz widriger Umstände hofft auch Nigeria, doch noch den Sprung in das Achtelfinale zu schaffen. Am Dienstag (20.30 Uhr) müssen die Nigerianer im abschließenden Gruppenspiel gegen Südkorea zwei Niederlagen und Morddrohungen gegen einen ihrer Spieler wegstecken und auf Schützenhilfe von Argentinien hoffen, um vielleicht doch das Ticket für die Runde der besten 16 Teams zu lösen.

Weniger die enttäuschenden Leistungen gegen Argentinien (0:1) und Griechenland (1:2) waren bei Nigeria das Thema, sondern die Morddrohungen gegen Sani Kaita. Der 24-jährige Mittelfeldspieler war gegen die Griechen beim Stand von 1:0 für die Afrikaner ausgeschlossen worden und erhielt danach per Mail mehr als 1.000 Morddrohungen. Das Team hat daher sogar die Regierung um Schutz für Kaita gebeten. "Wir hoffen einfach, dass die Regierung diese Drohungen als ernste Sache behandelt", sagte Team-Sprecher Idah Peterside.

Nun sollen die Sicherheitsvorkehrungen deutlich erhöht worden sein. Peterside sagte nigerianischen Medien, dass zusätzliche Polizisten im Hotel in Richard's Bay seien: "Ich weiß nicht genau wie viele, aber es könnten mehr als 30 sein." Verbandssprecher Ademola Olajire erklärte hingegen am Montagmorgen, dass ein normales Polizeiaufgebot das Hotel bewache. Kaita, der gegen die Südkoraner gesperrt ist, erklärte: "Ich mache mir keine Sorgen. Ich bin Moslem, und nur Gott entscheidet über Leben und Tod."

Nigeria benötigt jedenfalls einen vollen Erfolg gegen Südkorea und im Parallelspiel einen Sieg von Argentinien gegen Griechenland. Doch Südkorea will sich den ersten Achtelfinaleinzug auf fremdem Boden (bisher nur bei der Heim-WM 2002) nicht mehr nehmen lassen. Die Asiaten sind ganz auf Sieg eingestellt, um aus eigener Kraft den Aufstieg zu schaffen. "Wir gehen nicht hinaus und setzen uns ein Unentschieden zum Ziel. Es wird ein schwieriges Spiel, aber wir spielen auf Sieg", erklärte Teamchef Huh Jung-Moo.

Huh erntete nach dem Auftakt gegen Griechenland (2:0) viel Lob, wurde nach dem 1:4 gegen Argentinien aber heftig kritisiert. Er wird für das Entscheidungsspiel daher wohl Umstellungen vornehmen. Erwartet wird, dass Lee Dong-Guk erstmals von Beginn weg stürmen wird. "Wir müssen sie unter Druck setzen, damit sie ihre Geduld verlieren", betonte Huh. (APA/Reuters/dpa)

 

GRIECHENLAND - ARGENTINIEN (20.30 Uhr, Polokwane, Peter-Mokaba-Stadion, SR Rawschan Irmatow/Usbekistan)

Griechenland: 12 Tzorvas - 11 Vyntra, 2 Seitaridis, 15 Torosidis, 16 Kyrgiakos - 3 Patsatzoglou, 10 Karagounis, 21 Katsouranis - 7 Samaras, 14 Salpingidis, 17 Gekas

Ersatz: 1 Chalkias, 13 Sifakis - 8 Papadopoulos, 19 Papastathopoulos, 4 Spyropoulos, 6 Tziolis, 22 Malezas, 18 Ninis, 23 Prittas, 20 Kapetanos, 9 Charisteas

Es fehlt: 5 Moras

Teamchef: Otto Rehhagel (GER)

Argentinien: 22 Romero - 15 Otamendi, 2 Demichelis, 4 Burdisso, 3 C. Rodriguez - 20 M. Rodriguez, 5 Bolatti, 8 Veron - 10 Messi, 19 Milito, 16 Aguero

Ersatz: 1 Pozo, 21 Andujar - 12 Garce, 13 Samuel, 6 Heinze, 14 Mascherano, 7 Di Maria, 23 Pastore, 9 Higuain, 11 Tevez, 18 Palermo

Es fehlt: 17 Gutierrez (gesperrt)

Teamchef: Diego Maradona

 

NIGERIA - SÜDKOREA (20.30, Durban, Moses-Mabhida-Stadion, SR Olegario Benquerenca/Portugal).

Nigeria: 1 Enyeama - 17 Odiah, 2 Yobo, 6 Shittu, 3 Taiwo - 11 Odemwingie, 20 Etuhu, 15 Haruna, 19 Obasi - 8 Yakubu, 9 Martins

Ersatz: 16 Ejide, 23 Aiyegnugba - 5 Afolabi, 21 Echiejile, 22 Adelaye, 10 Idaye, 13 Ayila, 4 Kanu, 7 Utaka, 12 Uche, 18 Obinna

Es fehlt: 14 Kaita (gesperrt)

Teamchef: Lars Lagerbäck

Südkorea: 18 Jung Sung-Ryong - 22 Cha Du-Ri, 12 Lee Young-Pyo, 4 Cho Yong-Hyung, 14 Lee Jung-Soo - 7 Park Ji-Sung, 8 Kim Jung-Woo, 16 Ki Sung-Yong, 17 Lee Chung-Yong - 10 Park Chu-Young, 20 Lee Dong-Guk

Ersatz: 21 Kim Young-Kwang, 1 Lee Woon-Jae - 2 Oh Beom-Seok, 3 Kim Hyung-Il, 23 Kang Min-Soo, 15 Kim Dong-Jin, 13 Kim Jae-Sung, 6 Kim Bo-Kyung, 5 Kim Nam-Il, 11 Lee Seung-Ryul, 9 Ahn Jung-Hwan, 19 Yeom Ki-Hun

Keine Ausfälle

Teamchef: Huh Jung-Moo

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    Nach seinem Rot-Foul flüchtet Sani Kaita unter sein Trikot, nach dem Spiel erhielt der Nigerianer Morddrohungen.

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