Prostatavergrößerung: nicht auf leichte Schulter nehmen

21. Juni 2010, 10:39
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Unkontrolliert drohen ernsthafte Komplikationen - Jeder zweite Mann über 50 betroffen - Effektive Behandlungmöglichkeiten

Pörtschach - Sie betrifft mehr als die Hälfte der Männer über dem 50. Lebensjahr: Dennoch wird die Prostatavergrößerung von Betroffenen oft viele Jahre tabuisiert - und eine zunehmende Einschränkung der Lebensqualität in Kauf genommen. Dabei sind die Behandlungsmöglichkeiten vielfältig und richten sich nach dem Risiko des Fortschreitens der Erkrankung. Die Symptome sollte man jedenfalls nicht auf die leichte Schulter nehmen, hieß es bei der Apothekerkammertagung in Pörtschach.

Bei der gutartigen Prostatavergrößerung verändern sich Größe und Gewebeaufbau der Vorsteherdrüse. Das Gewicht der im Normalfall kastaniengroßen Geschlechtsdrüse unterhalb der männlichen Harnblase kann mit zunehmendem Alter erheblich zunehmen. Typische Beschwerden der Vergrößerung - der benignen Prostatahyperblasie - sind verzögertes und verlängertes Wasserlassen und ein immer schwächer werdender Harnstrahl. "Das liegt daran, dass die Harnröhre durch die Prostatavergrößerung verengt ist", schilderte Primar Wolfgang Loidl vom Prostatazentrum des Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern in Linz. Gleichzeitig komme es zu immer häufigerem Harndrang.

Eingeschränkte Lebensqualität

Die Nachtruhe wird durch wiederholtes Wasserlassen teils mehrfach unterbrochen, Betroffene meiden letztlich sogar den Aufenthalt auf Plätzen oder in Theatern und Kinos, weil sie Angst haben, die nächste Toilette nicht mehr rechtzeitig zu erreichen, so Loidl. Der Glaube, dass die Symptome "einfach zum Alter dazugehören", dass sie nicht behandelt werden können oder schlichtweg die Angst vor einer urologischen Untersuchung führen dazu, dass Männer oft schon unter einem schweren Leidensdruck stehen, bevor sie doch den Arzt aufsuchen. Harnwegsentzündungen sind eine häufige Begleiterkrankung, die den Betroffenen oft erstmals zum Arzt führen. Es kann aber auch zu Komplikationen wie Entzündungen des Nierenbeckens kommen oder es kann ein akuter Harnverhalt auftreten, warnte der Linzer Mediziner.

Für die Behandlungswahl - kontrolliertes Zuwarten, Medikamente oder eine breite Palette an operativen Eingriffen - ist zum einen die Schwere der Beschwerden ausschlaggebend, die der Facharzt mit einem speziellen Fragebogen ermessen kann. Außerdem ist die Messung der maximalen Harnflussrate, der Restharnmenge in der Blase nach dem Wasserlassen, eine Tastuntersuchung der Prostata und die Bestimmung eines bestimmten Eiweißes (PSA) im Blut zum Ausschluss eines Prostata-Karzinoms angebracht. Am Gesundheitsmarkt werden zur Behandlung eine Vielzahl von Phytopharmaka rezeptfrei angeboten: "Das Problem ist, dass ihre Wirksamkeit sehr schlecht untersucht ist", hielt der Linzer Primar fest. (APA)

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