Beschwingter Totentanz

18. Juni 2010, 19:45
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Nach genau 50 Bühnenjahren feiert Elfriede Irrall mit "Roses Geheimnis" ein beschwingtes Comeback im Wiener Volkstheater

Wien - Kein Vorhang markiert den Anfang der Aufführung. Das offene Bühnenrund (Stephan Koch) schließt das Publikum ein in Roses Welt: ihr elegant-altmodisches, mit Büchern vollgestopftes Sommerhaus ist eine liebevolle Miniatur. Hinter den Terrassentüren schlägt das Meer Wellen. Unvermittelt swingende Musik versetzt endgültig in ein leicht angestaubtes Nachkriegsamerika.

Hier lebt das leidenschaftliche Künstlerpaar Rose (Elfriede Irrall) und Walsh (Erwin Ebenbauer). Fetzen und Funken fliegen gleichermaßen, der einzige Haken: Walsh ist seit fünf Jahren tot und wird die alte Dame bald endgültig verlassen. Sein Nachlassfragment soll sie von Geldsorgen befreien, als Ghostwriter wird der faule, versoffene Ex-Schriftsteller Clancy (Alexander Jagsch) ausgewählt.

Das Timing in Vicki Schuberts schwungvoller Inszenierung stimmt, die Pointen sitzen. Elfriede Irrall gleitet bisweilen in affektiertes Pathos ab und irritiert durch übertriebene Gestik und Artikulation. Weitaus überzeugender ist sie, wenn sie sich zurückhält und auf charmant-trockenen Humor baut.

Erwin Ebenbauers "Toter" Walsh erschreckt mit überwältigender Präsenz. Alexander Jagsch steigert sich aus anfänglicher Lethargie zur Stütze der Inszenierung und bringt die lässige Schnoddrigkeit Clancys zur Perfektion.

Annette Isabella Holzmann bleibt daneben lange farblos und verloren. Erst mit steigender Gefühlsintensität wird ihre Arlene greifbar. Auch die Inszenierung gewinnt mit den (Frühlings-)Gefühlen ihrer Figuren. Unterstützt von der swingenden Untermalung der Szenenwechsel wird sie mehr und mehr zu einer charmanten Komödie aus Hollywoods Glanzzeiten. Kleine Patzer trüben die Leichtigkeit kaum - ein unterhaltsamer Abend! (Andrea Heinz, DER STANDARD/Printausgabe 19./20.6.2010)

 

Info

Volkstheater, Termine: 19. 6., 19.30; 20.6., 15.00

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