Fekter träumt

18. Juni 2010, 19:30
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Büro der Innenministerin Fekter

(Juni 2010. Büro der Innenministerin Fekter. Die Ministerin, erschöpft von schwerwiegenden Entscheidungen, ist an ihrem Schreibtisch eingenickt. - Verwandlung: Ein Grenzbalken. Fekter hat eben die Grenze überschritten und wird von zwei Grenzpolizisten kontrolliert. Einer der beiden hält an einer Leine einen Larsonterrier. Der Hund beschnüffelt Fekter und beginnt zu bellen.)

ERSTER POLIZIST: Ah, da schau, er schlägt an!

ZWEITER POLIZIST (nickt wissend)

FEKTER: Und was bedeutet das?

ZWEITER POLIZIST: Es schaut nicht gut aus für Sie.

ERSTER POLIZIST: Bei wem der Trottelsuchhund anschlägt, kriegt eine in die Goschen.

ZWEITER POLIZIST: Und zwar ordentlich.

ERSTER POLIZIST: So dass auf jeden Fall schwere Verletzungen entstehen.

FEKTER: Aber das ist doch -

ZWEITER POLIZIST: - Gesetz, Gnädigste. Jedenfalls bei uns.

FEKTER: Barbarisch ist das!

ERSTER POLIZIST: Das kann schon sein, aber Gesetz ist Gesetz. (Zum zweiten): Willst du?

ZWEITER POLIZIST: Wart noch. (Zu Fekter:) Wir sind keine Unmenschen. Ich gebe Ihnen einen Tipp: Es ist besser für Sie, wenn Sie sich selber in die Goschen hauen. Weil wenn wir es tun, lassen wir Sie danach einfach liegen und gehen, während wenn Sie es selber tun, holen wir den Notarzt.

ERSTER POLIZIST: Genau. Ich würde Ihnen auch dringend raten, dass Sie sich selber in die Goschen hauen.

ZWEITER POLIZIST: Sie müssen sich allerdings schwer verletzen, das ist die Bedingung.

FEKTER: Ich wiederhole: Das ist unmenschlich!

ERSTER POLIZIST: Und ich wiederhole: Gesetz ist Gesetz.

Also, fangen Sie jetzt an? Oder sollen wir?

(Verwandlung. Fekter, an ihrem Schreibtisch schlafend, boxt sich mit der Faust immer wieder ins Gesicht. Ein Sekretär tritt ein.)

DER SEKRETÄR (erschrocken ): Um Himmels willen, Frau Minister! Wachen Sie auf!

FEKTER (erwacht, murmelt etwas Unverständliches)

DER SEKRETÄR: Mir scheint, ihr Kiefer ist gebrochen. Ich werde sofort den Notarzt holen.

FEKTER (atmet auf) (Vorhang)

Material: "Fekter: 'Arigona soll freiwillig ausreisen'", APA, 16. 6.

Antonio Fian, DER STANDARD/Printausgabe, 19./20.06.2010

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