"Japan würde sich in seinen eigenen Fuß schießen"

19. Juni 2010, 16:48
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Umweltorganisation lehnt Wiederaufnahme des Walfangs ab - Geschäftsführer Kumi Naidoo kündigt fortgesetzten Kampf mit Booten an

Wien - Die Umweltorganisation Greenpeace lehnt das für die am Montag im marokkanischen Agadir beginnende 62. Tagung der Walfang-Kommission (IWC) vorgelegte Kompromiss-Papier wenig überraschend ab. Das sagte Kumi Naidoo, Geschäftsführer von Greenpeace International. Für Greenpeace komme ein Kompromiss, "der die Fortsetzung des kommerziellen Walfangs festschreibt, nicht infrage". Mit dem Kompromiss soll das Walfangmoratorium zwar weiterbestehen, der Fang für zehn Jahre in engen Grenzen aber erlaubt werden.

Japan spielt auf Risiko

Wie beinahe jedes Jahr hat Japan vor der Konferenz mit seinem Austritt aus der IWC gedroht, sollten seine Forderungen nicht erfüllt werden. "Japan würde sich in seinen eigenen Fuß schießen", sagte dazu Naidoo. Japan sei unter anderem Mitglied der G8 und der G20 und würde damit jede internationale Reputation verlieren. "Ich hoffe also nicht, dass sie es tun", betonte Naidoo.

Für Japan stehe ohnehin viel auf dem Spiel: Australien habe vor drei Wochen den Gang vor den Internationalen Gerichtshof angekündigt, um die Tötung von Walen zu vorgeblich wissenschaftlichen Zwecken zu beenden. Diese ist derzeit erlaubt. Japan nützt diese Regelung aus, das Fleisch der Wale landet aber erwiesenermaßen immer wieder in Feinschmeckerrestaurants des Inselstaats. "Auch hier sei die internationale Reputation Japans gefährdet."

Kein "Planet B"

Für den Südafrikaner ist die Diskussion um den Walfang aber nur "Teil einer breiteren Diskussion, wie man mit dem maritimen Lebensraum umgeht". Als anderes Beispiel nannte Naidoo den Kampf gegen die Fischer, die hinter dem Blauflossen-Thunfisch her sind. Man müsse klarmachen, dass niemand aus der Überfischung des Tunfischs "einen Vorteil zieht, inklusive der Fischer".

Naidoo kündigte auch an, den Kampf gegen Wal- und Tunfischfänger mit Booten fortzusetzen. Gleichzeitig stellte er klar: "Wir werden niemals ähnliche Methoden anwenden, wie sie die Fischer im Mittelmeer gegen uns angewendet haben." Vor rund zwei Wochen war ein Greenpeace-Aktivist von einem Thunfisch-Jäger harpuniert und schwer verletzt worden.

Hinter Umweltfragen steht für Naidoo immer das Problem des Konsums: "Wir würden sechs bis acht Planeten benötigen, wenn wir alle den selben Lebensstil implementieren wie die Europäer, die Amerikaner und auch die Australier." Man habe sie aber nicht, "nicht einmal einen Planet B". Wichtig sei es daher, statt des Aufrüstungswettlaufs ein grünes Rennen zu initiieren. Die Länder müssten den Ehrgeiz entwickeln, einen Umweltschutzvorsprung zu erlangen. "Vermutlich ist da China ganz weit vorne." Dort habe man mittlerweile vielfach begriffen, dass der Fortschritt nur im Einklang mit dem Umweltschutz zu erlangen sei.

Wie es gehen sollte, hat Greenpeace selbst bei der Fußball-WM in Südafrika vorgezeigt. Man habe in einer Schule eine Photovoltaik-Anlage installiert und dort ein nachhaltiges Public Viewing organisiert, erzählte Naidoo. "Und das Beste ist: Wenn die WM vorbei ist, hat die Schule Strom." (APA)

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    Kumi Naidoo, Geschäftsführer von Greenpeace International

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