Islamisten drohten Erziehungsminister mit Mord

15. Juni 2010, 13:51
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Ex-Minister erhielt Todesdrohungen, weil er intolerante Koran-Lehrbücher ändern wollte

Riad - Wer die Erziehung zur religiösen Intoleranz in Saudi-Arabien infrage stellt, muss sich gegen Todesdrohungen wappnen. Der ehemalige saudiarabische Erziehungsminister Mohammed al-Rashid sagte in einem am Dienstag veröffentlichten Interview der arabischen Zeitung "Al-Hayat", er habe während seiner Amtszeit (1995-2005) Drohanrufe erhalten. Außerdem sei er in Internetforen und in vielen Freitagspredigten beschimpft worden, weil er sich für eine Verbesserung der Lehrpläne eingesetzt habe.

Ein anonymer Anrufer habe damals zu ihm gesagt: "Die Brüder haben die Absicht, dich zu töten, wenn du nicht dafür sorgst, dass die Veränderung der Lehrpläne gestoppt wird. Außerdem musst du verhindern, dass die Zahl der Religionsstunden reduziert wird."

Nachdem US-Ermittler festgestellt hatten, dass 15 der insgesamt 19 Flugzeugattentäter vom 11. September 2001 aus Saudi-Arabien stammten, war international heftige Kritik an den religiösen Lehrbüchern des Königreichs geübt worden, die von einer feindlichen Haltung gegenüber Andersgläubigen geprägt waren. Daraufhin hatte die Herrscherfamilie Ibn Saud eine Reform der Lehrpläne beschlossen. Diese Reform kam jedoch nach Einschätzung von Beobachtern zunächst nur sehr schleppend voran.

Dass Al-Rashid als Minister 2005 durch Abdullah al-Obaid ersetzt wurde, der als religiöser Hardliner gilt, werteten Beobachter als Rückschritt. Seit 2009 wird das Ministerium von Prinz Faisal bin Abdullah geleitet, einem Schwiegersohn von König Abdullah. Der König, der in seiner Heimat als fromm gilt, ruft selbst zu einem Dialog zwischen den verschiedenen Religionsgruppen auf. (APA/dpa)

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