Hypo-Dank an Exminister

10. Juni 2010, 17:33
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Leasingtochter soll für Hilfe in Kroatien gezahlt haben

Wien - Kärntner Hypo Leasing Holding (HLH; aus ihrem Büro in Klagenfurt wurden jüngst Dokumente entwendet) plus Töchter hatten laut "Fraud Report" von PricewaterhouseCoopers (PwC) einen speziellen Zugang zu Risiko. Die Gesellschaften trugen 2006 fast 40 Prozent zum Konzernergebnis bei und seien "für Leasinggeschäfte untypische Risiken eingegangen", heißt es in dem Bericht, im dem es um fragwürdige Deals geht.

Zu selbigen zählen auch jene 762.000 Euro, die laut PwC 2007 als "Beratungshonorar für nichtnachvollziehbare Vermittlungstätigkeiten in Exjugoslawien nach Liechtenstein und in die USA überwiesen wurden". Dahinter vermutet PwC wie berichtet "Scheinrechnungen" eines kroatischen Exministers und eines Zladko Z. Letzterer war, wie der Standard eruiert hat, ein Großkunde der Hypo-Bank in Liechtenstein, unterhielt dort Konten für 15 Gesellschaften. Er pflegte sehr hohe Geldbeträge abzuheben - in bar. Nun beschäftigt die Causa Z. Z. die Staatsanwaltschaft Vaduz.

Und der bis 2000 amtierende Exminister, so ist aus Kroatien zu hören, habe den Bayern auf Vermittlung von Ivo Sanader (bis 2009 kroatischer Premier) geholfen, den Widerstand der kroatischen Notenbank zu überwinden: Sie hatte den Kauf der Hypo Kroatien durch die BayernLB im Juli 2007 zunächst abgelehnt.

Heute hat besagter Expolitiker ein Büro am Sitz des kroatischen Verlags NCL in Zagreb. NCL gehört mehrheitlich der VCP-Gruppe rund um den Wiener Investor Heinrich Pecina. Die VCP hat die Hypo Group in Kapitalmarktfragen beraten; Stiftungen rund um Pecina nahmen an der Kapitalerhöhung der HLH 2004 teil.

Als die Leasing-Geschäfte 2008 immer schlechter gingen, wurde es eng. In der (im Herbst 2007 gegründeten) Leasingtochter Ukraine zeichneten sich laut "Fraud Report" "hohe Wertberichtigungen" ab. Ein Mitarbeiter schildert die Folgen so: "Um konkrete Einzelwertberichtigungen in der Bilanz zu vermeiden, wurden vor Ort Zahlungspläne erstellt, die einen Zahlungsaufschub für überfällige Leasingraten bis Mai/Juni 2009 vorsahen. Sie entsprachen nicht den Vereinbarungen mit den Kunden, wurden dem Abschlussprüfer vorgelegt". Die Zahlungspläne seien "mit vollem Wissen" eines Leasing-Chefs gefälscht worden.

Fälschungsvorwurf

Auch das Vorgehen bei Überweisungen von doch recht hohen Summen war recht leger, folgt man den Recherchen von PwC zu "auffälligen Geldflüssen". So ging im Februar 2006 eine Million Euro an einen Hypo-Anwalt; die Dokumentation wurde erst zwei Jahre später verfasst. Dafür, dass die Million den Besitzer wechseln konnte, brauchte es wenig: Die zuständige Abteilung wies den Betrag an, nachdem ihr eine Mitarbeiterin "telefonisch das Okay" eines HLH-Chefs mitgeteilt hatte.

Selbst der Konzernrevision (eine eigene Revision hatte die Leasing-Sparte lange nicht) waren diverse Mängel beim Leasing aufgefallen. Sie konstatierte das "Fehlen einer strukturierten Risikopolitik", "nicht sorgfältig analysiertes und überprüftes Kundenrisiko". Elektronisch erfasst war all das schlecht, das EDV-System laut Revisoren "unzureichend".

Ende 2009 musste die Hypo notverstaatlicht werden. (Renate Graber, DER STANDARD, Printausgabe, 11.6.2010)

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